Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / J. P.
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 1)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 153 Behandlung des biblischen Stoffes betrifft, planmässige Rücksicht auf die Zeitereignisse nimmt, und in der beziehungsreichen biblischen Erzählung es auch nicht an Seitenblicken fehlen lässt,' ״die,von dein aqüitanisehen Leser des fünften Jahrhunderts in ihrer Anzüglichkeit unmittelbar verstanden ־wurden“ und auch dem modernen Leser, der sich unter der Leitung des Verfassers die ־ damals Aquitanien beschäftigenden Fragen und Vorgänge vergegenwärtigt hat, nicht länger undeutlich bleiben können. Nach dem Urtheile des Verf. war Severus ein Mann, ״der nicht blos zu einsiedlerischer Andachtsübung das Studium der Bibel betrieb, -sondern sich dabei den Blick offen und die Theilnahme warm erhielt für die grossen Bewegungen der Geschichte, wie für die kleinen Streitigkeiten der Bischöfe,“ und die einzelnen Abschnitte der Chronik durchzieht ״ein gewisser Hauch lebendiger Wirklichkeit, wie man ihn in Erläuterungsschriften zur Bibel nicht gar häufig spürt“ (S. 29); Einzelne glücklich gewählte Beispiele dieser leisen Nuancirung geschichtlicher ThaL Sachen und tendentiöser längerer Einschaltungen sind 8. 19—29 zusammengestellt. In Bezug auf die stilistische Form wird an: dem allgemeinen Gang der Chronik und an einzelnen Partieen nachgewiesen, dass Severus zur Befriedigung des aqüitanisehen Lesepnblikiuns, ״hei dem er. eine auf viel Rhetorik und etwas Jurisprudenz ruhende Bildung .voraussetzen konnte“ (S, 40), bestrebt war, ״die Bibel nicht blos lateinisch, sondern römisch zu machen“ (S. 31), die juristischen Theile des Pentateuch'8 mit der Terminologie des römischen Forums auszustatten und im Ganzen und Grossen die •biblische Geschichte in der Spräche der anerkanntesten römischen Historiker vörzutragen, um ״den Leser in eine sallusteische uncl taciteische Atmosphäre■ zu versetzen,“ wobei Severus sich nicht auf eine blos ans8erhebe Nachahmung beschränkt und die Buntscheckigkeit der meisten ״Scriheuten der Reminiscenz“ theilt, sondern die leiseren Eigenheiten seiner Vorbilder dergestalt, in seine aus einem Gusse hervorgehende Darstellung verwebt, dass er von Joseph Scaliger als ״ecclesiastieorum purissimus scriptor“ bezeichnet wird. Diese eie gante'Schreib weise, die Severus in seinen übrigen .Schriften nicht überall beobachtet, in denen er sogar ״geringschätzig von der Beredtsamkeit spricht und sich dessen rühmt, dass er über Solökismen nicht erröthe“ dient in der Chronik dazu, ״den ein- Frankel, Monatsschrift. X. 4. 12