Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Anklagen gegen die Juden zu Damaskus
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829248-2829260-2857448--05756-2857480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefe. M Es ist mir nicht bekannt. daß ein Jude sich in dieser Cala mität schlecht betragen habe; wie ich gehört, scheinen die Anklagen das Resultat des Vornrtheils und böser Neigung zu sein, und'find nicht gegründet auf einem eigentlichen Factum. Ich habe die Ehre hochachtungsvoll zu sein. Mein Herr! Dem ehrwürdigen Jakob Perez ״ Ihr gehorsamer unterthäniger Oberrabbiner der jüd. Ge- Diener (gez.) James Braut, meinde zu Damaskus. Schreiben des preußischen Consnls. Damascus d. 17. October:1.860. \ Mein Herr! ־ : In Beantwortung Ihres Brieses von heute,in welchem Sie meine Meinung über die Ausführung der israelitischen Gemeinde während der Katastrophe des christlichen Viertels, sowie über die gegen eine große Anzahl Juden erhobenen Beschuldigungen und Anklagen zu vernehmen wünschen, habe ich die Ehre. Ihnen, f-lgende Auskunft zu ertheilen. Die ganze Welt weiß, daß das süd. Viertel damals so bedrohet gewesen ist, wie das christliche, und Niemand hatte die Ueberzeugung, daß die drusische und muselmanische Wache, der Ihr Viertel anvertrauet war, wirklich die Kraft und Len guten Willen haben werden, es zu beschützen. Daher hat auch die große Mehrheit der Juden sich in die muselmanischen; Viertel geflüchtet, und der Ueberrest wagte nicht sich außerhalb seiner Wohnungen zu zeigen. Die Behauptung, daß die Juden an der Plünderung des christlichen Viertels Theil genommen haben, ist ebenso lächerlich wie verläumderisch. Glücklicherweise ist die Masse der christl. Einwohner über die Beschuldigungen, denen bis jetzt ihre Glaubensgenossen ausgesetzt waren, aufgebracht, und man hört nicht, daß ein Katholik, Protestant, Armenier, Maronit, Syrier irgend etwas gegen die Juden in obigem Sinne beabsichtigt hätte; alle Ankläger der Juden sind Griechen, und da dir Personen, unter deren Einfluß diese Anklagen geschmiedet werden, wohl bekannt sind, so wird es nicht schwer werden, eine Tyätigkeit zu paralysiren, deren Motive allein Er- Pressung und Fanatismus sind. _ - 32 *