Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 1)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aussähe. 339 Wissenschaftliche Aufsätze. Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit. Eine archäologische Studie. Von Dr. Joseph Perles. ־־ Die Wirkungen der Ehe, die Art der Eingehung derselben und Alles, was sich hieran knüpft, werden jedesmal mit der Auffassung der Ehe überhaupt in innigem Zusammenhänge stehen und in der, selben ihre beste Erläuterung finden. Wo die Ehe als ein Heiligthum, als Begründung einer echten Sittlichkeit, als die liebevolle Verknüpfung zwei verwandter Seelen, die mit den beiderseitigen Rechten und Pflichten freiwillig ineinander aufgehen, auftritt, da wird auch den von der Religion und Sitte sanetionirten Bräuchen, die bei der feierlichen Schließung der Ehe zur Anwendung kommen, eine heilige Weihe׳, eine maßvolle, aus dem Innern hervorquillendc Freudigkeit ausgeprägt sein. Die Stellung, die das Weib im Volksbewußtsein und im Volksglauben einnimmt, wird hier zu ihrem Rechte kommen und klar zu Tage treten; schon hier zeigt es sich, ob die Frau sich in das Ehejoch begibt oder als selbstständig Handelnde Person dem Manne ihrer Wahl die Hand reicht. Wenn wir demgemäß die Hochzeitsfeierlichkeiten im Judenthume im Berhältniß zu denen bei anderen Völkern würdigen wollen, so müssen wir von dem jedesmal verschiedenen Charakter der Ehe ausgehen. Daß in der jüdischen Ehe die höchste Sittlichkeit, die vollkommenste Wahrung menschlicher und speciell weiblicher Würde ausgesprochen ist, ist eine zu oft hervorgehobene Thatsache, als daß noch näher daraus einzugehen wäre. Erst jüngst hat ein competenter Beurtheiler nachgewiefen, daß ״ sich im Judenthume die Ehe aus dem Principe der Sittlichkeit zu der sie und die Familie veredelnden Höh« herausgebildet hat" (Frankel, Grundlinien des mosaisch - talmudischen Eherechts S. XI). Um von den zahlreichen Aussprüchen der Rabbiner über die hohe Bedeutung der Ehe nur einen anzuführen, stellen wir folgende Behauptung eines Weisen her: ״Sieh! wie erhaben die Würde der Ehe ist, im Pentateuch, in den Propheten und in den Hagiographen gibt sie sich als göttliche Institution zu erkennen, einmal heißt es: Laban und Bethuel antworteten: die Sache ist von Gott ausgegangen (Gm. 24, 50); bei Simson lesen wir: sein Vater und seine Mutter wußten nicht, daß 26 *