Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der jüdischen Ärzte
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 5)
- Language
- German
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96 Zur Geschichte der jüdischen Aerzte. Umstände, man könnte wohl sagen, durch die Noth gezwungen, Benedict zu ihrem Leibärzte, denn wie im ganzen Norden Europas, so lag ganz besonders in Schweden die Medicin in sehr trostlosem Zustande. Die Aerzte an der Universität und in der Hauptstadt waren meist Ausländer, Franzosen, welche sich durch ihre Charlataneri« gewaltigen Rus verschafften; auf dem Lande practicirten unwissend« Quacksalber, nach alten Recepten; Hausmittel, von alten Weibern vorgeschrieben, waren in solchem Ansehn, daß überhaupt nur Wenige Medicin studirten, weil die Kunst fast brodlos war 2 3 4). Die Erneuuung Benedict's, von der sonderbarer Weise die schwedischen Geschichtsschreibcr gänzlich schweigen ch, erscheint als ein Sieg, welchen der jüdische Geist, die Kenntniß eines einzigen Juden über die damalige nordische Intoleranz davon trug. Daß Christine ihren jüdischen Leibarzt auch nach der Thronentsagung während ihrer mehrmaligen Anwesenheit in Hamburg consultirte, ist wahrscheinlich, wiewohl auch hierüber die Quellen nichts berichten; unrichtig aber ist di« Behauptung Moller's, daß sie bei ihm logirte, so oft sie nach Hamburg kam, — sie wohnte bekanntlich in dem auch später von ihr angekausten Hause ihres Residenten Teixeira — und sagenhaft die Erzählung, sie habe, um ihren Bemühungen, Benedict zum Christenthume zu führen, mehr Nachdruck und Wirkung zu geben, den armen Doctor durch ihre Bedienten mit Prügeln tractiren lassen. Daß Benedict seiner Königin die bereits genannte ״Monomachia, sive C&rtamen Medicum, quo veras in febre synoeho putrida cum cruris inflammatioue medendi usus per venae sectionem in brachio etc. (Hamburg, Kebenlin 1647). 4. (XVI. 88.) “5) dedicirt, haben wir bereits früher erwähnt. In dieser zum Wohl 2) Grauert, I. c. I, 120. 3) Die Widmung der MonomacMa an Christine beginnt: ״Postquam Serenissima Regina, non meis meritis, sed clementia et liberalitate tua, Inter Medicos clarissimos P. S. M. inservientes me mimerasti.... “ Wolf, Möller u. A. nennen ihn Leibarzt der Königin von Schweden. Barrios, Relaeion de los Poetas y Escritores Espanoles 55:... su (Rodrigo) hijo Benedito de Castro (alias Baruch Nehemias) fue Medico de la Reyna Christina de Suecia. 4) Möller, 1. c. I, 90. 5) Der Schrift ist ein lateinisches׳ Gratulationsschreiben des Doctor Phil, und Med. Jfhac Semach Aboab zu Amsterdam vorgedruckt.