Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 9 (1860)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Schiller's Sendung "Mosis", zugleich ein Wort für und an Israeliten
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
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Schiller's ,, Sendung Mosis". 49 eng zusammen. Die nothwendigen Folgen davon waren ״ die höchste Unreinlichkeit und ansteckende Seuchen." — ״Die schrecklichste Plage dieses Himmelstrichs, der Aussatz riß unter ihnen ein und erbte sich durch viele Generationen hinunter." Bei solcher Verwahrlosung des Aeußern konnte der Verfasser sich nur ein gleiches Inneres denken. Er giebt zwar diesen Zusammenhang seiner Ideen nicht ausdrücklich an. Aber offenbar ließ er sich, bei seiner reichen Phantasie, von dem Einen, auch ohne genügende Gründe, zu dem Andern hinführen. Ist nun die Voraussetzung unrichtig, so ist es um so mehr auch die Folgerung. Bei der Annahme, daß die Krankheit des Aussatzes während des Aufenthaltes in Egypten und nach demselben je bei den Israeliten grassirte, folgt Schiller blindlings einer alten von Feinden der Juden ausersonnenen Verleumdung. Den Beweis, den er aber aus Mangel eingehender Keuntniß der ersten Original-Quellen nicht selbst prüfen konnte, sollen die Worte geben: ״Wie allgemein dieses Nebel gewesen, erhellt schon aus der Menge der Vorkehrungen, die der Gesetzgeber dagegen gemacht hat", worauf denn die Namen einiger alten griechischen und römischen Schriftsteller folgen, von denen der Verfasser selbst sagt, daß sie ״von der jüdischen Nation fast gar nichts, als diese Volkskrankheit des Aussatzes kennen." Aus diesem letztem, folgert er, gehe hervor, ״wie allgemein und wie tief der Eindruck davon bei den Egyptern gewesen sei." Die Unrichtigkeit dieses Schlusses leuchtet ein. Schriftsteller,, die Nichts als dies von den Israeliten wissen, zeigen jeden Mangel an eigner Forschung zu deutlich, als daß sie Gewährsmänner sein können. Die große Unwissenheit der Griechen und Römer über andere Völker ist bekannt, daher können sie um so mehr nur einige, als solche längst anerkannte, abgeschmackte Mährchen von den Israeliten aufgreifen, da diese, wie Josephus bemerkt, kein handeltreibendes Volk waren und daher wenig in europäische Länder kamen. Bringt ja selbst Herodot, den wir als eine rühmliche Ausnahme ehren müssen, und eben so wenig Thucydides, von dem ziemlich nahen Rom nicht einmal eine Notiz. An erster Stelle unter den angeführten Schriftstellern nennt Schiller den Egypter Manetho, und da er den ״tiefen Eindruck bei den Egyptern" eben hervorhebt, so entging ihm nicht die erste Quelle blinder Nachsprecherei jener andern Schriftsteller. Auf die Aussagen Manetho's, die also hier iustur omnium gelten, legt man be--