Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die Anfänge der neuhebräischen Poesie
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Die Anfänge der neuhebräischen Poesie. Don Or. Grartz. Nach der Zerstörung des ersten Tempels hingen die Leviten ihre Harfen an die Weiden des Euphrat auf, als die Feinde von ihnen ״Zionslieder auf entweihtem, fremdem Boden" verlangten. Und als der Tyrann sie zum Singen und Spielen zwingen wollte, erzählt die Sage, haben sie sich ihre Danmen abgehauen. Ihre heiligen Lieder ertönten erst wieder, als der Tempel nach siebzigjähriger Verödung wieder neu erbaut war. In, feinen Räumen ließen sie Jubel und Weh in triumphirenden oder herzergreifend elegischen Psalmen erklingen, und gaben dem glaubensbedürftigen Gemüthe für alle Zeit die Sprache tiefer Andacht und weltvergeffenden Aufschwungs,zum Höchsten. Als aber die Römerhand die Brandfackel in den zweiten Tempel schleuderte und für die Leviten wie -für die Priester Scheiter- Haufen anzündete, verstummte auf lange, lange Zeit Gesang in Judäa. War ja auch die Heimat die Fremde für den jüdischen Stamm geworden, in welcher der Römer mit dem Lictorenbeil herrschte. Wie sollten fromme Dichter Zionslieder aus fremdem Boden singen! Hochragende christliche Kirchen und Dome, welche im heiligen Lande sich mehrten, hallten von jüdischen Psalmen in griechischer Sprache wieder, die Synagoge mußte sich einen dunkeln Winkel gefallen lassen, durfte keinen freundlichen Anblick darbieten und keinen lauten Ton vernehmen lassen. Die Männer des Geistes hatten vollauf zu thun, das Erbe der Väter, die mündliche Lehre, zu Pflegen, hatten Front zu machen gegen den Uebermuth des Römers, gegen die Verführungskunst der Kirche. Die Lust zu künstlerischem Schaffen konnte gar nicht aufkommen, die Phantasiedurfte sich nicht regen, die Poesie, welche die -Zankel, Monatsschrift. VIII. 11. 34