Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Alexandrinische Messiashoffnungen
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Alexandrinische Mcssiashoffnungen. 329 noch eine Vermittelung mit den prophetischen Sprüchen anbahnt), wird auch hier-nicht gewonnen. Wir kehren nochmals nach Palästina zurück: dort fanden wir im Eingänge die richtigere Würdigung der Messtasidee, wir werden nun erkennen, wie sie sich nach einem geistigen Processe gestaltete. ,.Der Messias, so erklärt Maimonides (von den König. K. 11. 12) auf mehrere midraschische Sprüche gestützt, wird das Königsthum Davids in seinem alten Glanze Herstellen, den Tempel aufbauen und die Zerstreneten Israels sammeln. Auf ihn weisen viele Verheißungen der Lehre, und die Bücher der Propheten sind voll der Verheißungen von ihm. Vermeine aber nicht, daß der Messias werde Zeichen-und Wunder thnn müssen, daß er die Welt erneuern ober die Tobten beleben werde und dergleichen, sondern wenn ein frommer König aus dem Hause Davids aufstehet, der, dem Beispiele seines Stammherrn folgend, mit der Lehre sich fleißig befaßt, Israel zu ihrer Befolgung anhält, Gottes Kämpfe kämpft, so ist er als der Messias anzunehmen. — Vermeine nicht, daß zu den Tagen des Messias der gewöhnliche Weltlauf aufhören oder in ihm eine Neuerung eintreten werde. Und wenn es Jesaias (11, 6) heißt: ״es wird weiden der Wolf mit dem Lamm u. f. w.", so ist damit nur gemeint, daß auch die Bösen sich zu Gott kehren' und Israel mit allen Völkern, die nun Gott erkennen werden, friedlich verkehren werde. — Zwischen der jetzigen Zeit und der des Messias ist, wie die Weisen sagen, nur der Unterschied, daß dann der Weltliche Druck aufhören werde. — Die Weisen und Propheten sehnten sich nach Zeit des Messias, nicht etwa um zu herrschen und die Völker sich zu unterwerfen, oder um zu essen und zu trinken und zu genießen, sondern daß sie der Lehre und dem Nachdenken über sie ungestört obliegen. Es wird dann auch nicht mehr Hungersnoth, nicht Krieg und Neid und Zwietracht sein, die Welt wird nur einer Beschäftigung obliegen: der Erkenntniß Gottes." Wir schließen mit diesen trefflichen Worten. Israel hat eine große Zukunft, so sagt es schon der in der Geschichte waltende Geist: seine Vergangenheit, seine wunderbare Erhaltung durch Jahrtausende von Leiden weisen darauf hin, daß es zu Großem bestimmt sei. Die im vor. Jahrzehnt beliebte grob materielle Auffassung, daß sein letztes Ziel politische Gleichstellung, sein Messias Emaneipation sei, hat in den Augen jedes Vernünftigen sich selbst gerichtet.