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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 8 · p. Seite 286

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 8
Article
Alexandrinische Messiashoffnungen
Date
1859-01-01
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
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286 Alexandrinische Messiashoffnungen. sachten Zerstörung des Tempels und dem babyl. Exil übergesprungen: den Schluß macht (V. 286 ff.) eine messianische Verheißung. Das andre — vierte — Fragment ist reich an Sprüchen gegen mehrere Völker. Die Tendenz dieses Fragments ist messianisch: die Verkündigung der messianischen Zeit und der zu derselben über׳ die Völker ergehenden Strafen. Es finden sich hier Nachahmungcn prophetischer Stellen, aber auch wie-es scheint sehr alte Orakel, die der Vers, ihres hohen Alterthums wegen zur- Hebung seiner Sibylle mit' einflocht. Auch ein Spruch aus der Maccadäerzeit findet sich in diesem Fragment. Noch sind einige Bemerkungen vorauzuschicken. Unter den Gesetzen werden nur die religiös-sittlichen hervorgehoben; die Ceremonialgesetze werden übergangen und selbst des Sabbats geschiehst nicht Erwähnung. Nur Eines macht eine Ausnahme : es wird (V. 592) gerühmt, daß sie vom Lager ausstehend die Hände, nachdem sie sie mit Wasser geheiligt (gewaschen), zum Himmel erheben. Also Morgengebet und Waschung. Auch von Aristeas wird das Waschen besonders betont, und weiset dieses auf eina bei den alexandrinischen Juden tief gewurzelte religiöse Sitte (vgl. vor. Jahrg. S. 297). Der Charakter der Sibylle, die einen exclusiv geoffenbarten Standpunkt nicht einnehmen konnte, macht das Uebergehen der ceremoniellen Gesetze leicht erklärlich. Dieses führt uns auch zur nochmaligen Besprechung der dem 'zweiten Fragment eingeflochteneu Mythe von den Titanen. Es wurde oben (S. 269) hierin der Plan des Sibyllisten wahrgenommen, die Sibylle nicht im Geiste eines zu scharf markirten Monotheismus sprechen, zu lassen. Zwar erheben sich Zweifel, ob dieses Stück dem alten Vers, angehöre (vgl. Anfang) , doch ist constatirt, daß, die griechische Mythe hier m o no t h e ist i sch überarbeitet ist. Auch ist nicht minder in Abrede zu stellen, daß dieser Bearbeiter ein alexandrinischer Jude war: die christl. Sibyllisten perhorrescirten aufs Tiefste die heidnische Mythe und gestatteten ihr auch im entferntesten Reflexe nicht Eingang. Daß aW ein Jude sie in solcher Weise verarbeiten konnte und er nWt einer entschiedenen Zurückweisung von Seiten des Publikums für das er schrieb sich gewartigte, zeigt von dein gräcisirten Geschmack der alexandrinischen Juden, die, wie früher (S. 248) bemerkt wurde, nach der ästhetischen Seite sich hellenische Bildung angeeignet und ihr manche religiöse Anschauung accommodirt hatten.

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