Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Jehuda Alcharisi als Kritiker
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Wissenschaftliche Aufsätze? Wirklichkeit aber dieses nicht geschehen ist, so, ist es nicht ihre Schuld; Niemand, außer einem verstockter Historiker, kann ihnen dieses zur Last legen. Bei arab. und hebr. Dichtern erscheint oft der Gedanke über die Stellung der Dichter zur Gesellschaft, daß sie den Geringen erheben und den Hohen erniedrigen können. In der größten Allgemeinheit aufgefaßt heißt dieses, daß sie Ruhm und Tadel ertheilen können und daß die Nachwelt diese Urtheile für die einzig wahren halt. In dieser Beziehung war dieser Gedanke zu allen Zeiten wahr. Solche Zeilen wie die des Alcharisi (Tachkemoni Cap. 8s: בם־ללי ארומם . השפלים ובלשוני אגרע ראש גאונים findet man in mannichsacher Form bei Moses ben Esra, so wie auch bei Jmanuel*). Dante hat langdauernden Ruhm uud Tadel ausgetheilt; auf andern Gebieten nicht minder Pope, welcher in dieser Hinsicht einen bedeutenden Einfluß ausgeübt hat. Jean Paul sagt von Lessing. daß in-seinen polemischen Schriften Viele in seinem Tadel aufbewahrt sind, wie die Fliegen im Bernstein. Die oben bereits angeführten Worte des Jsocrates: Die Beredtsamkeit ist die Kunst, das Große klein zu machen rc. enthalt ohngefähr denselben Gedanken wie die angeführten Worte des Alcharisi. Es ist das Selbstbewußtsein der Dichter, welches ihnen eine solche Ansicht eingegeben hat. Ein solches Selbstbewußtsein spricht Seneca (Briefe No. 21) von sich mit den einfachen Worten aus: ״Ich werde — dies sind seine Worte— bei der Nachwelt Geltung haben: ich kann Namen zu langer Dauer mitnehmen." Derselbe hat sich-nicht getäuscht. Es wurden Dichter deshalb für gefährlich gehalten. Der berühmte us-Schafi hat folgende Worte: ״Ein eloquenter Dichter ist eine gefährliche Schlange, und -Verse sind sein giftiger Geifer und Schaum; die Feindschaft eines Dichters ist ein fürchterliches Unglück, es ist aber für den generösen Mann leicht, dasselbe von sich abzuwenden**) (d. h. durch Geschenke sich die Freundschaft desselben zu erwerben)". Aehnliche Anklänge finden sich, in dem ספר הפררם des Iedaj ah Bedersi (vergl. Nachal kedumim S. 21). Andeutungen haben wir versprochen und Andeutungen haben wir gegeben. Die Männer, die Veranlassung zu diesen Andeutungen *) Bergt, darüber 58 .57 .© נחל. '*) Jbn Challican 11, S. 872.