Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Urtheil und Maßstab
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 2)
- Language
- German
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ff Notizen. 233 für Alcharisi. Wenn wir hier Alcharisi genannt haben, welcher den Beschluß der hebr. Dichter der maurisch-span. Periode macht, so geschieht es deshalb, weil derselbe mit seiner stylistischen Wirksamfeit auch kritische und theoretische verbunden hat, welche bis jetzt wenig beachtet wurden. Wie groß Ben Gebirol als Dichter war, siehet man aus Moses bcn Esra und Jehuda ha lev i, welche ihn sehr benutzten. Wie große Dichter die letzteren waren, siehet man aus allen nachherigen Dichtern, besonders Alcharisi und, -wenn man zu einer ganz andern Zeit übergehet,' aus Petrarca, der vielleicht an echten elegischen Gefühlen und geistreichen Anschauungen ihnen nachstehet. Die Periode von Ben Gebirol bis Abraham ben Esra ist die merkwürdigste der hebr. Literatur. Es ist noch viel zu thun, um sie auszuklären. Die arab. Bildung hatte damals die höchste Stufe erreicht. Die talentvollen Juden der damaligen Zeit hatten dieselbe fich nicht nur angeeignet, sondern haben sie auch wirklich iu's Hebratsche übertragen, d.- h. nicht übersetzt, sondern geistig nachgebildet. Die eigentlichen Uebersetzungen sind, wie bekannt, ein Jahrhundert später auf den Schauplatz getreten. So interessant die religiösen Poesien sind,,welche Ben Gebirol und seine Nachfolger hinterlassen haben — es liegt ein Theil der damaligen Philosophie darin — so liegt der eigentliche Glanzpunkt in den weltlichen Poesien, welche erst in neuerer Zeit etwas bekannter geworden sind. Die Verfasser derselben haben die feinsten Ideen und geistreichsten Anschauungen der Araber, der alten, ausgestorbenen hebr. Sprache anvertrauet. Was das Herz erfreuet, was den Geist angenehm anregt, haben dieselben in die schönsten Formen gekleidef. Die Musik und Malerei des Wortes, was alle Poesie ausmacht, haben sie als Meister gehandhabt. Selbst als bloße Uebersetzcr wären ihre Verdienste unleugbacgroß gewesen. Durchdrungen zugleich von dem arab. Geist und von der hebräischen Sprache haben sie beide mit einander unauflöslich vermählt. Ihr eignes Talent war der Trauring dieser Vermählung. Die Quellen der arabischen Literatur, die sich jetzt von manchen Seiten nach allerlei Richtungen hin erschließen,- geben manche Aufschlüsse über verschiedene Punkte der hebr. Literaturb). Das merk- 3) Wenn man in der Zeitschrift der d. m. G. (1852 S. 57) ließt, daß arab. Gelehrte unter dem Namen ״Vater und Mutter" Werke über gewisse Metapher geschrieben haben, so liegt die Vermuthung nicht.ferne, daß