Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Jehuda Alcharisi als Kritiker
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Wissenschaftliche Aufsätze. lehrte sowohl als Gebildete erst brauchbar. Es wurde mehr Gelehrsamkeit bis jetzt zu Tage gefördert als Urtheil. Bibliographie ist die Adreßkarte der Literatur, aber nicht sie selbst. Kritik ist wie Gewürze. Dieselben machen die Speisen schmackhaft, allein aber sind sie ungenießbar. Wenn Alcharisi nur das 3. und 18. Capitel seines Tachkemoni geschrieben hätte, so hätte er vollkommene Ansprüche auf die literarische Dankbarkeit der Nachwelt. Er hat nicht nur die Namen so vieler geistreicher und verdienter Männer der Nachwelt aufbewahrt, er hat auch das Urtheil über sie hinterlaffen. Er hat das Bild einer ganzen Periode gegeben wie sie sich in seinem Geiste abspiegelte. Er war der geistreiche Dollmetsch zwischen seiner Zeit, auf deren Höhe er stand, und den nachfolgenden Geschlechtern. Ohne Widerspruch befürchten zu . dürfen, glauben wir behaupten zu können, ״daß diese zwei Capitel, zu den schätzbarsten literarisch-historischen Stücken aus dem maurisch-spanischen Zeitalter gehören". Etwas Aehnliches hat etwa sechzig Jahre später Abraham Bedersi (אברהם בררשי) geleistet, wovon bis jetzt aber, zum Leidwesen der׳ Literaturfreunde, nur diejenigen Zeilen bekannt sind, die im עומר השכחה gedruckt sind *), die übrigens nicht klar genug sind, um ein vollständiges Urtheil darüber fällen zu können. Alcharisi hat im Ganzen genommen in seinen Urtheilen die größte Aehnlichkeit mit Jbn CHallican, in dessen, von uns oft erwähntem Werke Urtheile über viele Dichter Vorkommen. Die Urtheile beider stehen höher als die von Dante und Lopez de Vega. Letzterer hat sehr viele Dichter genannt, ohne daß man etwas Charakteristisches in seinen Urtheilen findet 1 2). Es gibt einzelne Zeilen, welche als Essenz einer, ganzen Reihe von Essais zu betrachten sind, oder als das Innerste einer Biographie gelten dürfen.' Solche Zeilen sind wie weiße Raben selten und sind Kinder einer großen vielseitigen Anschauung, eines reichen kritischen Talents, eines tief eindringenden philosophischen Geistes, der auf einmal alles Einzelne übersichtlich vor seinen Geist treten lassen kann/ und das innerste Allgemeine anschauet. Die Körperhülle aller Notizen, aller Wörter und Worte ist abgesallen und die Seele der Bücher erscheint hier sichtbar. 1) Vergl. unsere Notiz im Orient 1851. S. 374, Note 3. 2) Laurel de Apolo pör Felix de Vega Caprio. Unter andern auch in London 1824 gedruckt.