Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
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156 Recensionen und Anzeigen. 3)! Der dritte Theil, ״Maimoni's Auffassung der biblischen Gebote" (S. 40—49) gehört auf den ersten Anschein ebensowenig in eine Abhandlung, welche den Titel: ״Maimoni's Religionsphilosophie" führt, als man gewöhnlich die Nothwendigkeit des dritten Theiles des Moreh, welcher bekanntlich denselben Gegenstand behandelt, nicht recht begreift. In Wirklichkeit aber zeigt der Vers, mit geschickter Bloslegung der Verhindungsfäden, daß die Auffassung der biblischen Gebote ein integrirender Bestandtheil des maimonischen Systems ist, Md daher im Moreh wie in der Abhandlung einen Platz finden mußte. Denn die Auffassung der biblischen Gebote ist nichts Anderes, als die Ausgleichung der Philosophie mit der ״pr aktischen" Seite der Schrift, welche in einem religionsphilosophischen System gewiß ebenso wenig fehlen darf, wie die Auffassung der theoretischen (S. 40, Ende des II. THIs.). Zm dritten Theile nun zeigt Maimoni in geschickter Parallelisirung von Natur und göttlicher Lehre die Berechtigung und die Grenze für die Forschung nach den Gründen des Gesetzes und theilt demgemäß den Canon der 613 biblischen Gebote je nach den ihnen zu Grunde liegenden Zwecken in 14 Klassen ein. -■!':■; Aus dem Gesagten erhellt, wie geschickt es der Vers, verstanden hat, das in dem Moreh und den einschlägigen Schriften Maimoni's niedcrgelegte religionsphilosophische System in das knappe,- aber die Formen desto deutlicher zeigende Gewand einer rasch!fortschreitenden Abhandlung einzukleiden. Das, was neben der Systematik, in welcher die Stärke Maimonis liegt, den eigenthümlichen Reiz-feiner!Darstellung ausmacht, die zwanglose-- künstlerischenaive Vortragsweise, trägt oft dazu bei, daß der Leser den leitenden Faden ausden Augen verliert und Nebensächliches-für die Hauptsache nimmt. Der Vers, hingegen ist der Spur Maimoni's aus Schritt und Tritt gefolgt: man sehe nur die geschickte Verbindung der anscheinend ganz zusammenhanglosen Kap. 32. und 33 des Moreh (Thl. II.) auf S. 27 der Abh., ferner die Verknüpfung der philosophischen Ansicht über die! Einheit des Gesagten und Denkenden! in Gott mit der Lehre von den Attributen S. 9 u. a. m. Als besonderen Vorzug müssen wir erwähnen, daß-der Verf. mit richtiger Selbstverleugnung eigene Kritik aus der Abhandlung soviel als thunlich fern gehalten hat. Die Abhandlung dürfte sich zur Propädeutik für das Studium des Moreh, wie zu einem Enchiridionfür den mit dem Moreh bereits Bewanderten vortrefflich eignen. - - G—m