Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1859-01-01 · Heft 4 · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
8 (1859)
Issue
Heft 4
Article
Die staatsbürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Holstein
Date
1859-01-01
Page
Seite 137 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829234-2829239-2856343--04750-2856368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die staatsbürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Holstein. 137 Kammer gehört, die sechste Großmacht Europas , und wir tönnen sagen, die allerstärkste und gewichtigste Großmacht bildet — die öffentliche Meinung wird gar an Achtung und Liebe für das bis jetzt mit so seltener Begeisterung in Schutz genommene Schleswig-Holstein verlieren müssen, das sich selbst so inhuman, so hartherzig in seinen eigenen Institutionen zeigt, das noch auf einem so unfreien , niedern Standpunkte steht, daß es die mosaischen Glaubensbekenner, die in dem verschrieenen Dänemark selbst bereits seit dem Jahre 1814 im vollständigen Genüsse des unbeschränkten Bürgerrechts sind, nicht einmal als geduldete Fremdlinge betrachten möchte, und wie es in Ahrensburg geschehen, selbst einem einheimischen Juden nicht die häusliche Niederlassung in seinem Geburtsorte gestatten will. Wahrlich ein solcher Zustand ist in hohem Grade beklagenswerth, nicht so sehr um der Juden willen, denn die würden im schlimmsten Falle leicht eine andere und bessere Heimat finden, aber vielmehr des übelberathenen, schleswig-holsteinischen Volks wegen, das nach vielfachen Drangsalen und Täuschungen sich selber die ärgste, moralische Niederlage bereitet und, von seinen eigenen Rathgebern irre geleitet, sich selbst seine politische Zukunft und Entwickelung abschneidet. Denn Schleswig-Holstein, so scheint das Gebühren seiner Vertreter zu verkünden, kämpft nicht für Freiheit, für das dem Menschen heiligste Recht, sondern für Rechte, die Adel und bevorzugte Stände nicht aufgeben wollen und die als Aushängeschild das Deutschthum nehmen; Schleswig-Holsteins Vertreter meinen keineswegs den Menschen mit dem ihm angeborenem Adel, participiren auch keineswegs an dem Aufschwünge höherer Freiheitsbestrebungen, die sie von Seiten der deutschen Brüderstamme für sich "in Anspruch nehmen; es gilt hier ein ganz anderes Ziel, das schöne Land meint sich, seinen fetten Boden, seine feisten Heerden, seine alte klingende Münze und was sonst gemüthlichen Menschenkindern lieb ist. Freiheit — für die lasset Andere zu Gunsten Holsteins kämpfen, seine Reventlow's und sonstigen hervorragenden Wortführer stehen für solchen Kampf zu hoch; ihr Fuß reicht von ihrer stolzen Höhe nur bis auf den Nacken des Juden. . - F. H.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.