Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die staatsbürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Holstein
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 2)
- Language
- German
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136 Die staatsbürgerliche Gleichstellung der Israeliten ln Holstein. wort ertheilte : ״ Ich habe den besten Willen, aber mit den Ständen ist Nichts anzufangen." Wenn vielleicht damals von mancher Seite in die Aufrichtigfeit dieser Königlichen Worte noch Mißtrauen gesetzt werden konnte, so finden sie leider in dem gegenwärtigen Verfahren der holsteinischen Landesvertretung ihren unzweideutigen und vollkommensten Commentar. Es war in der That ein weiser, mit tiefem politischem Scharfblick begabter Fürst, der König Christian der Achte! ׳Er hat wahrlich sein Volk oder die Führer desselben richtig zu beurtheilen gewußt! Nachdem man im ganzen civilistrten Deutschland bis aus geringe Ausnahmen den jüdischen Unterthanen ihre Fesseln abgenommen, nachdem die Juden in Holstein vorzugsweise durch die theuersten Opfer sich ihre Unterthanenrechte und die"Dankbarkeit des Vaterlandes erkaust haben, weist die holsteinische Ständeversammlung ihre gerechten Anforderungen noch jetzt mit Hohn.und Geringschätzung zurück, und läßt sogar die einzelnen Stimmen in ihrer Mitte, die doch ״aus Mitleid" den .Juden wenigstens einige Freiheit einräumen möchten, nicht zu Gehör kommen. Dieselbe Stände- Versammlung , die sich der dänischen Regierung gegenüber über Despotismus und Willkür beklagt, ist so verblendet, da , wo es auf ihre Entscheidung ankömmt, den ärgsten, mittelalterlichen Despotismus, die schnödeste Willkür gut heißen und verewigen zu wollen. Derjenige, der selbst die Schule der Leiden und Kränkungen durchgemacht, der.es aus eigener Erfahrung zu beurtheilen weiß, wie dem Unterdrückten und Geknechteten zu Muthe ist, pflegt auch für seine Leidensgefährten wohl ein fühlendes und theilnehmendes Herz zu haben, und jede Gelegenheit mit Eifer zu ergreifen, wo er ihrer traurigen Lage abhelfen und den Bedrängten Beistand leisten kann. Um so schmachvoller muß daher das Verhalten einer deutschen Volksvertretung erscheinen, die das Weh und den Schmerz einer unterdrückten Nation gar wohl zu würdigen wissen sollte, aber anstatt dem Gedehmüthigten ihre Sympathien und ihr Wohlwollen zu erkennen zu geben, mit eisiger Kälte denselben seinem qualvollen Dasein überläßt. Wie würde es um Schleswig-Holstein aussehen, wenn es mit demselben Maaße gemessen würde, womit es seine jüdischen Mitbürger mißt, wenn das deutsche Vaterland sein unwürdiges- Benehmen gegen die Juden zum Maaßstab für die politische Reise dieses Volksstammes nehmen wollte! Die öffentliche Meinung, die, wie wir erst kürzlich in einer deutschen