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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 8 · p. Seite 314

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 8
Article
Ein exegetischer Versuch über Sprüche Sal. Kap.30 und Kap. 31, V.1-9
Date
1858-01-01
Page
Seite 314 (sequence 14)
Language
German
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314 Wissenschaftliche Aufsätze. und Vater gehe zu derselben Dirne, um meinen heiligen Namen zu entweihen, und auf gepfändete Kleider strecken sic sich hin neben jedem Altar, und Wein der Gebüßten trinken sie im Hause ibres 'Gottes u. s. w. Uebcrhaupt ״Meineid und Lüge, Mord und Diebstahl und Ehebruch verbreiten sich und Ströme (vergossenen) Blutes berühren einander" (Hosea 4, 2). Und ״Buhlerei und berauschender Wein rauben den Verstand", daß man in niedrigen Aberglauben und Götzendienst verfällt (das. v. 11. vgl. die folg. B.). — 2n solcher Zeit also, und zwar (nach unserer im Dorhergebenden motivirten Auffassung) währendder Regierung des vorletzten i s r a e l i t i s ch c n K ö n i g s, P e k a ch, w a h r s ch c i n l i ch g e g e n d a s Ende desselben, unternimmt es ein gotteäfürchtiger Zsraelit und begeisterter Patriot ״von altem Schrot und Korn", entrüstet sowohl über die mannichfaltige Vcrderbniß der neuen Zeit als über die Schlechtigkeit der Regierenden, beide ״mit der Geißel seines Mundes" zu züchtigen und zwar in der verhüllten, aber doch ziemlich offenkundigen Absicht, seine Mitbürger und Glaubcnsbrüder dadurch nicht blos zur Besserung ihrer gottlosen Sitten, sondern auch zur Empörung wider den unwürdigen Herrscher zu veranlassen, und — int dreißigsten Kapitel besitzen wir die satyrische Kundgebung seines edlen Unmuthes. Dieselbe erscheint namentlich in der zweiten Hälfte,- welche auf den Regenten Bezug hat, durchaus in der ruhig gehaltenen Form räthselhaster SpruchwciShcit. In der ersten Hälfte, welche die Laster der Zeit geißelt, wird dieser ruhige Gang der Darstellung mehrfach und zwar B. 4 durch eine Frage, V. 7—9 durch ein Gebet, B. 12—15 durch eine mehrgliedrige Apostrophe, B. 17 durch eine Verwünschung unterbrochen. Diese Verschiedenheit der Darstellung erklärt sich ganz einfach aus dem Umstande, daß diese Satyre naturgemäß dazu bestimmt war. in die Ocffentlichkeit zu gelangen, und daß cs rathsam erschien, einem regierenden Könige gegenüber größere Zurückhaltung zu beobachten, als gegen die Mitbürger. Andererseits aber erkennt man leicht, wie irrthümlich es wäre, anzunehmen, dies Geiftesproducl unseres Autors sei etwa als wirklich gesprochene Volksrede veröffenllichl worden. Denn eine Zusammensügung von Sprüchen, die noch dazu, äußerlich wenigstens, unverbunden sind, trägt wahrlich nicht den Character einer gehaltenen Ansprache oder öffentlichen schüttet, wenn ihn der ungerechte Reiche durch schlecht« Kunstgriffe aus seinem «rerdten Grundbesitz verdrängt hat.

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