Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Briefe aus Ungarn
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 2)
- Language
- German
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- Banat 1× ep/1272623
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Briefe au<9 Ungarn. 29S Ausspruch Börne's bewahrheiten, daß die Iahen zu allen Zeiten der Riesenschlange. Revolution, in den Rachen gestoßen werden, um dieselbe zu ersticken. An den meisten Orten wurde der Ausbruch des juken» feindlichen Sinnes durch die rasch auf einander folgenden Ereignisse verhindert, schlimmer jedoch erging eS den unter den rohen Slavcn wohnenden Juden und die Geschichte hat hier von Thalsachcn zu berichten, die an das sinterste Mittelalter erinnern. Plünderung und Mord hatten diese Bölkerstämme auf ihren Frciheitsbanner geschrieben und mit wahrhaft cannibalischcr Grausamkeit ausgeführt. Die Slaven und Serben haßten die Juden nicht bloß als Juden, sondern auch als Anhänger des Magyarenthumcs. Ich könnte in dieser Bezichung Züge seltener Bosheit mitthcilen, begnüge mich aber beispielsweise an die Gceuelscenen im Banat und an die große Plünderung in Waag-Neustadtl zu erinnern und abermals hcrvorzuhcben, daß die eigentlichen echten Ungarn, mit?Ausnahme des Pöbels, der sich nirgends verleugnet, in den Jude» ihre Mitbürger anerkannten und mit Abscheu auf die gcschilderleir Vorgänge hinblickten. Was die Stellung der Juden den damaligen politischen Ere>gnisscn gegenüber betrifft, so zeigte es sich wieder, daß der den Inden oft gemachte Borwurf des Jndiffcrentismus, des abwartenden, bedächtigen Zauderns, der unbestimmten Haltung, ein uitbegrundeter ist. Es gab in der fast eine halbe Million starken jüdischen Bevölkerung Ungarns keinen einzigen politisch Farblosen, Sic erklärten sieh gleich im Beginne der Ereignisse, als der Ausgang noch in nebelhafter Ferne lag, mit aller Entschiedenheit für die eine oder die andere Partei. Das numerische Berhältniß der Jniperialisten zu teil Freiheilsfrcunden läßt sich nicht genau angeben, doch kann mit Bestimmtheit versichert werden, daß auf beiden Seiten zahlreiche Inden in Wort und Thal thälig waren. Die Einen setzten ihre Hoffnungen auf das Zustandekontmen eines Groß-Oestcrreich unter der souveränen Macht eines einheitlichen Willens und wünschten sehnsuchtsvoll das Eindringen deutscher Elemente nach Ungarn, während die Andern, das engere Vaterland mit aller Macht liebend und die zur Thatsache gewordene Gleichstellung der Nationalitäten in Ungarn berücksichtigend, die Sache der Nation begeistert verfochten. War auch die nach der Revolution über sämmtliche Juden׳ Ungarns verhängte Geldstrafe einer Million weniger eiste Strafe für den bis auf die Spitze getricbenen Liberalismus als der willkürliche Act eines mit unbeschränkter Machtvollkommenheit ausgestatteten judenfcindlichcn Feldherrn; so geht doch daraus unzweideutig hervor, daß die Juden nicht müssig 21*