Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 7)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Synagogcn-Gcmcindc in Königsberg. 209 einen Garten anzulegen. Kein Anderer soll in Schmalleningken desgleichen zu treiben befugt sein und nur der König selbst soll hierin eine Aenderung machen können. Daö Patent vom 13. März 1708 ist unterzeichnet: Friedrich Graf zu Dobna 7 8). Die junge Gemeinde zu Königsberg bekam, wie eS scheint, ihren eigentlichen Halt durch den Anzug des Bcndix Jeremias, der in Berlin geboren war und dort früher gewohnt hatte. Durch einen eigentlichen Schutzbricf voin 5. Mai 1710 wurde ihm das Recht erthcilt, in Königsberg aus der Freiheit sich nebst Frau und Kindern niedcrznlassen. Er soll 200 Thlr. zur Königl. Schatulle und jährlich 20 Thlr. Schutzgeld zahlen, von dem Leibzoll der durchreisenden Juden aber befreit sei», auch Vieh für seinen Bedarf schlachten und überhaupt nach Jüdischem Gesetze leben können s). In Bcndix, dessen Stellung als Einwohner Königsbergs fortan unerschüttert blieb und der mit den höchsten Behörden umnittelbar verkehrte und bei denselben Vcrtrauen und Achtung genoß, hatten die Israeliten einen gccigncten Vermittler ihrer Angelegenheiten, und auch, wie sich in Folgendem zeigen wird, einen Mann gefunden, der als Vorstand an ihre Spitze treten und das Svnagogcnwcsen in Ordnung bringen konnte. Unterdessen waren verheerende und furchtbare Naturercigniste über das Land und Königsberg gekommen. Auf Orkane und lleberschwemmungen im November 1708 folgte ein sehr harter Winter, dessen Eis noch zu Anfänge des Mai auf dem Hafen im Schlitten fahren ließ und die Wintersaaten und Obstbäume vernichtete, sodaß Thcuerung und Hungersnoth entstand, welche der Pest verarbeitete, die von Rußland und Polen her im September 1709 nach Königsberg kam, deren Schrecken alle Bande liebender Fürsorge zwischen Eltern und Kindern lösten und den vollen sechsten Thcil der Bewohner hinrafftc 9). Diese Ereignisse gaben Anlaß zu dem Königl. Befehl vom 15. Octoder 1710, in welchem eS heißt: Nachdem bei jetzigen kümmerlichen Zeiten zu allerhand guten Anstalten, auch milden Sache« schwere Kosten und Beitrag erfordert und deshalb unter den 7) Acta des geh. Arch. . 8) Acta des geh. Arch. 9) Baczko, Gesch. Preußens Bd. VI. <S. 333 f. Schubert. KOOjähr. Jubelfeier d 3t. Königsb. 3. 77.