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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 3 · p. Seite 104

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 3
Article
Scenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß
Date
1858-01-01
Page
Seite 104 (sequence 7)
Language
German
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104 ®eenen aus dem jüdischen Leben im Elsaß. zehn Matronen, den Haufen mit Würde zerkbeilend, nach dem Innern des Hauses richteten. Ihre etwas altmodische Kleidung ließ mich vermuthen, daß ich die ältesten Frauen der Ortschaft vor mir habe. Ibre Anwesenheit an ähnlichen Festtagen stand ohne Zweifel mit irgend welcher LandeSsttte im Zusammenhänge. Ich hatte die Ahnung, daß sie irgend eine alte Eereuiouie vollsühren werden., welche die Anwesenheit eines Mannes ansschließt. Ich schlich ihren rritten nach und gelangte in eine an den kleinen ®aal anstoßende Kummer; hernach kauerte idi mich heimlich hinter die Thüre, indem ich mich — sogut es anging — mit Hülfe einer alten durchlöcherten, zufällig vor mir stehenden spanischen Wand verbarg. Dank dieser durchsichtigen ®chntzmaner konnte ich Alles beobachte», ohne selbst gesehen zu werden. In der Mitte des Zimmers saß die aufgeregte bleiche Braut. Ihre schönen schwarzen Haare sielen zum letzten Male in Flechten auf ihre ®dnilteni herab. Eine große Anzahl von flüsternden Frauen umgab sie. und Alle erhoben sich beim Eintritt der Matronen, die das Gemach mit Würde durchschritten und sich dem jungen Mädchen näherten und einige Scheeren vertheilten. Alsobald machte sich die weibliche Versammlung mit dem bei Erfüllung eines religiösen ActeS gewöhnlichen Eifer daran, sich der Haare der armen Braut, die in frommer Ergebung mit sich schalten ließ, zu bemächtigen, sie theilweise unter dem schneidenden Eisen fallen zu lassen, die übrig gebliebenen in Flechten zu sondern und sie unter eine kleine schwarzseidene Haube Zurückzudrängen, die sie für alle Zeiten verdecken sollte. Da die Haare gewöhnlich und besonders bei den Juden eine der schönsten Zierden der Frau ausmachen, so muß sie, bei ihrem Eintritt in das eheliche Leben, dieselben ihrem Manne opfern, um so zu seinen Gunsten aller Eoguetterie zu entsagen und sich freiwillig jedes Mittels, wodurch sie einem Andern gefallen könnte, zu berauben. In Wahrheit weiß ich nicht sicher, ob der vom Gesetze beabsichtigte Zweck auch immer erreicht wird. Die niedliche mit rosa- und blausarbigen Bändern geschmückte Haube, welche über der schwarzsammtnen Haube angebracht wird und das die Stelle der Haare ersetzende ®ammtband lassen oft die Züge der jungen Frau auf eine äußerst reizende Weise hervorstrahlen. Diese Haube, so ernst sie auch aussehen mag, gereicht dennoch, aufrichtig gesagt, der jungen Frau zum Vortheil, und ich habe in meiner Jugend manche junge Jüdinnen gesehen, denen die auf ihre schöne weiße Stirn herabfallende Spihenhaube das nnsäglich reizende Aeußere alter Keuschheit- und patriarchalischer Züchtigkeit gab.

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