Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1858-01-01 · Heft 2 · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
7 (1858)
Issue
Heft 2
Article
Ibn-Gebirol's (Avicebron's) Bedeutung für die Geschichte der Philosophie
Date
1858-01-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829220-2829223-2855590--04053-2855623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 Wissenschaftliche Aussätze, die reale Existenz der intelligibel» Substanzen durch eine Demo»- stratio» außer Zweifel zu sehen, eine Aufgabe, der wir bei Platin nirgends begegnen, weil die Realität des Intelligibeln bei ihm ohne weiteres vorausgesetzt wirb. Umgekehrt aber ist Plotin an vielen Stellen bemüht, die von ihm gelehrte TranScendcnz des Göttlichen, die abstcacte Fassung desselben nämlich über das Denken und die Gedankenwelt hinaus, als nothwendig auszuzcigen (enu. V, 3, 12; V, 6, 3; VI, K, 13), etwas das wiederum bei Gebirol als eine keines Beweises bedürftig« Voraussetzung erscheint, wovon er vielmehr in diesem Tractate als von eiucin festen Punkte ausgcht. Wir haben daran eine interessante Probe, wie die Scholastik aller Jahr- Hunderte verfahren ist. So weit entfernt lvir nämlich auch sind, die geniale und originelle Gcdankenentwickelung Plotin's mit der logischen Äleinmcistcrci der eigentlichen Scholastik, die erst an Proklus ihr unerquickliches Borbild bat, zusammenzustcllen, so ist doch Plotin in einem Punkte mit der Scholastik verwandt. Auch er näinlich bewegt sich in einem Bannkreise, den eine fremde Autorität, der göttliche Plato, um ihn gezogen und aus dem er fast nur unwissentlich heraustritt. Wo er sich daher mit Plato in Uebereinstimmung weiß, da bemüht er sich nicht, erst weitläufig zu dcmonstriren. Aus diesem Grunde ist für ihn die Trennung des Sinnlichen vom Zmelligibeln, das reale Vorhandensein eines -ech//,c-c foi-iöc, unmittelbar gewiß Höchstens macht er dann und wann Ansätze, um seiuf Scheidung des vor•; von der 4>vyjis oder was dasselbe sagt, seine Annahme einer Mehrheit von intelligibeln Substanzen zu motivircn. Aber dann thut er es mit der Miene eines Menschen, der das nicht um seinetwillen untersucht, sondern um verstockten, von selbst zur Abstraction unfähigen Menschen eine kleine Rücksicht zu Theil werde» zu lassen. Wenigstens machen seine Worte (enu. V, 9, 3) diesen Eindruck: ״Vielleicht nun scheint die Untersuchung lächerlich, ob der Nus zur Ordnung der Dinge gehöre (reale Existenz habe). Es könnten aber vielleicht Manche auch über diesen einen Zweifel haben, vielmehr darüber, ob. er die von uns angegebene Beschaffenheit Hab« und ob er abgctrennt cxistire und ob er alles Seiende ist." Dagegen, mußte sein Hinausgehen über die Ideenwelt durchaus als eine Neue-- rung gelten, von der Plato nichts geahnt hat, weshalb er alle Anstrengungcn macht, sie als eine nothwendig« Consequenz darzustellen, Was Gebirol wiederum betrifft, so galten für ihn ganz andere Forderungen, Ihm war der ganze neuplatonische Lehrgehalt als ein Fertiges tradirt worden. Was ihm also zu thun übrig blieb, war

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.