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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 12 · p. Seite 477

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 12
Article
[Rezension] / S.
Date
1857-01-01
Page
Seite 477 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Recensionen und Anzeigen. 477 Wiedersehens angedeutet scheinen; und in der That glaubte wohl das sinnliche Volk des A. T. an eine Fortsetzung des Familienlebens im Jenseits; aber die Religionsanschauung des A. T. gebrauchte diesen Ausdruck nur als Euphemismus. Vermöge dieser Verneinungen hat das A. T. ein lichteres Unsterblichkcitsbcwußtsein erweckt; aber durch dies Verfahren sollte auch Edleres und Besseres erreicht werden. Viele glauben freilich, daß ohne die Lehre von einem jenseitigen Gericht die Tugend schwinden, das Laster freien Spielraum gewinnen wüsse. Aber ist die Tugend dann noch Tugend, wenn sie in Hinsicht auf eine jenseitige Belohnung geübt wird? Die Jenseitsidee hat auch nicht die Kraft, den gemeinen Sünder vor Sünde zu schützen. Ist einmal der rohe Haufe auf die strafende Hand der Vergeltung zu verweisen, so giebt es keine kräftigere Vergeltungslehre, als die des A. T., die den Sünder bei jedem Schritt an das Verderben mahnt. -— Aber, wirft man dem A. T. vor, die diesseitige Vergeltungslehrc zeugt ja von dem niedrigen Standpunkte, auf dem Lohnsucht oder Furcht vor zeitlichen Strafen jede Freiheit untergräbt: erhebt sich ja die jüdische Theokratie nicht über den frohen und sinnlichen Genuss des Landes Canaan! In der Widerlegung dieses Vorwurfes ist der Verfasser nicht ganz glücklich. Er Übersicht ein wichtiges Moment. Das Individuum freilich muß die Disharmonie zwischen Tugend und irdischer Glückseligkeit dadurch auszugleichen suchen, daß der Tugendhafte schon hienicdcn das höchste Glück der Seelenruhe, der Sünder die Folterqual des zürnenden Gewissens empfindet; aber die Ver- Heißungen und Androhungen in 3. Mos. 26 und 5. Mos. 28, sowie die Geschichte der Richter- und Königsperiode, welche das physische Wohl oder Wehe des israelitischen Volkes in so innige Beziehung zu seinem sittlichen und religiösen Verhalten setzen, sind nur dann richtig zu verstehen, wenn man bedenkt, dass die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes eine Vergeltung hienieden übt. Jedem Volke.ist von der Vorsehung eine Aufgabe zu Theil geworden, und nur so lange es der Realisirung dieser Aufgabe zustrebt, ist es glücklich. Das israelitische Volk war zum Träger der Gottesidee berufen,, und je mehr es sein hohes Ziel aus den Augen verlor, um so sicherer konnte ihm Verderben prophezeit werden. In der That hört auch Israels politische Bedeutung mit der Zerstörung des ersten Tempels auf; nur ging mit der endlichen Form des Staates nicht die göttliche Idee unter. — Den Schlußstein der Untersuchung bildet die Rechtfertigung des Mangels an einem sittlich postnlirten unendlichen Proceß des Fortschrittes zur Vollkommenheit. Kant will auf practi-

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