Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Einiges über Münchner hebräische Handschriften
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 6)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 459 an demselben lauter einheitliche Dinge (ותרים), wie Himmel, Erde, Licht erschaffen wurden. Ein Abschreiber las vermuthlich תרים für תרים, ein Anderer corrigirte dies wieder und setzte ein ר daneben; ein Dritter wähnte nun es ganz gut zu machen und verwandelte die ר in ארבעה. So entstand die Leseart in den Editionen. Meine a. a. O. mitgetheilte Conjectur würde somit erledigt sein. Vielleicht aber auch, daß der Zusatz ארבעה daher entstand, um 22 Tageswerke für die 6 Schöpfungstage herauszubringen, wie im Midr. Tadscheh. Di׳. B. Beer. Jüdisch-spanische Gedichtes. Gleich einem, trübe Wolken durchbrechenden Sonnenstrahl leuchtet uns aus der an Selichoth und Trauerliedern so reichen jüdischen Literatur im folgenden Gedichte ein Product entgegen, das nicht wie gewöhnlich Klagen und Leiden zum Gegenstände seiner Dichtung hat. Sobald der verfolgte Jude nur einen Augenblick seinen Nacken frei fühlte von dem beständig drückenden Joche und wieder eine Scholle Erde die seine nennen konnte, war er nicht mehr der immer klagende, immer und ewig trauernde Jude, dann kannte er auch die Freude, zu welcher seine Religion ihn lud, und verstand es, dem Festescindrucke Sprache und Laute zu verleihen. Ein solches aus Festessreude entstandene Freudenlied liegt uns in dem ersten der hier mitgetheilten Gedichte vor. Wie aber das religiöse Gesetz immer in Israel gewaltet und dem freien Lebensverkehr seine Schranken und Marken vorgezeichnet hats), wie zur Zeit der Noth und Bedrängniß der Jude sich um das uralte göttliche Gesetz schaarte und für dieses einzige, durch alle Jahrhunderte hindurch ihn geleitende Kleinod Alles hingab, so war cs auch dieses alte Gesetz, das zur Zeit der Freude ihn beseelte und von ihm stets wieder besungen wurde. Zur Feier der Gesetzessreude ist, aller Wahrscheinlichkeit nach, auch dieses Gedicht von einem aus Spanien in Italien eingewanderten Juden zu Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts verfaßt worden. 1) Die Gedichte befinden sich als die einzigen dieser Art in einem zu Venedig 1640) ד״ר״ש" ל&״ק) geschriebenen Exemplar des עת הזמיר und wurden mir von dem Besitzer dieses ManuscripteS, Herrn Landshuth, dem Verfaffer des jüngst erschienenen 1. Theiles der Amude Ha-rbadah, zur Abschrift überlassen. 2) Sachs, religiöse Poesie der Juden in Spanien S. 142.