Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 2)
- Language
- German
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438 Zur Geschichte der Synagogen-Gemeinde in Königsberg. Schlachten, die Erb- oder sonstige Folge der Fürsten und Regierungen, so ist die Geschichte Israels wesentlich Cnlturgeschichte im höchsten Sinne des Wortes. Zwar tritt auch in jenen anderthalb Jahrtausenden des israelitischen Staates all' der bezeichuetc Wechsel historischer Ereignisse lebendig und oft in großen, ergreifenden Bildern vor Angen. Aber die hebräischen Geschichtschreiber legen nicht hierauf, sondern auf ein geistig-religiöses Moment den höchsten Werth. Nicht ist ihnen das äußerliche Gedeihen des israelitischen Staates das gröste Glück, oder sein Untergang das gröste Unglück. Beides gilt nur als wichtig in Beziehung zur Frage, ob Israel zur Zeit seinem Gott treu geblieben, oder nicht. Bei keinem andern alten Volke betrachten die Schriftsteller den religiösen Cultns nach seiner verschiedenen Weise und Gestaltung als höchstes Moment der Geschichte; den israelitischen aber ist die Religion allein Hebel und Kriterium der Ereignisse und Volksschicksale und dasjenige, was noch weit über Reich und Volk, im historischen Sinne des Wortes, hinauszugehen hat. Religion ist aber hier zugleich Philosophie, Moral oder Sitte, der Lebensnerv der Künste, die Beherrscherin, theilweise Quelle einer sehr ausgedehnten Literatur, sie ist Cultur und höchste Lebensaufgabe der Gesammtheit wie des Einzelnen, weil ste die Wahrheit selbst ist, die sichere Wurzel des Guten und des Schönen. Dieser Cultur, d. h. dieser in Alles eingreifenden Gottesanschauung, galten die Kämpfe, die Siege und das heilige Märtyrerthum, ihr weiheten sich die weit in die Zukunft hinausschauenden Hoffnungen. Wie der einzelne Mensch Alles thut, um sein Leben so lange es sein kann zn erhalten, aber doch noch - ein Höheres anerkennt und schließlich, ungeachtet des Erhaltungstriebcs, für die Ehre, die Liebe oder Ucberzeugung und was ihn sonst begeistert, zu sterben bereit ist, so auch Israel. Auch in ihm, dem alten Volke, lebte allerdings dieser Erhaltungstrieb, aber schließlich kam es am höchsten nicht darauf an, ob das irdische Reich bestand oder unterging, wenn nur die Wahrheit, die Cubtur blieb, die es zu vertreten hatte, und wenn sie sich nur nach den Verheißungen der Propheten immer weiter aus breitete, zu einem immer größeren Kreise auch anderer Völker überging. War demnach die angedeutete Idee (nicht die Blüthe eines irdischen Reiches) so recht eigentlich Ziel und Inhalt der israelitischen Geschichte, war sie mehr Culturals politische Geschichte,