Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Briefe aus Süddeutschland
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 1)
- Language
- German
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412 Briest aus Süddeutschland. Briefe aus Süddeutschland. VIII. In wenigen Minuten führt uns die Taunusbahn von Frankfurt in das nassauische Gebiet, und hier findet der Berichterstatter für jüdische Cultur- und Religionsgeschichte ein interessantes und ergiebiges Feld. Geben wir vorerst einige statistische Notizen. Im Jahre 1855 zahlte das Herzogthum Nassau unter einer Gesammtbevölkerung von 431,549 Einwohnern 7013 israelitische Seelen. Fünfzehn Jahre ftüher, im Jahre 1840, ergab die Volkszählung 397,788 Einwohner, darunter 6399 Israeliten; der jährliche Zuwachs der Juden ist demnach 1 :156, der der Gesammtbevölkerung 1 : 177. — Die Israeliten wohnen zerstreut in 219 Ortschaften/ die nach einer Eircumscriptiou von 1843 in 77, nach einer später!! von 1852 in 83 Gemeinden getheilt find. Diese 83 Gemeinden theilen sich in 4 Bezirksrabbinnte: 1) Wiesbaden (Rabbiner: Süskind, mit 23 Gemeinden), 2) Ems (Rabb.: Benjamin Hochstädter, mit 22 G.; der Sitz dieses Rabbinats war früher Langen-Schwalbach), 3) Hadamar (Rabb.: Säl. Wormser, mit 19 G., früherer Sitz: Dich) und 4) Weil bürg (Rabb.: Treuensels, mit 19 Gemeinden). —' Thun wir hier noch gelegentlich einige Rückblicke auf den früheren Stand der Rabbinate. Vor Alters waren Rabbinate zu Dietz-Hadamar *), sodann in Nastätten, von wo erst der noch lebende Rabbi Samuel Wormser (Vater des oben erwähnten vr. W.) den Sitz nach Langen-Schwalbach verlegte**). Die churtrierschen Landestheile (Limburg!c.) hielten sich zum Rabbinat Co blenz, die altweilburgischen Landestheile hielten sich zum Rabbinate Friedberg (jetzt darmstädtisch). Erst mit der Bildung des jetzigen Herzogthums Nassau zerfielen alle jene Verhältnisse, oder waren vielmehr zerfallen; nur R. Sam. Wormser eristirt noch als Landrabbiner seines ehemaligen (churhessischen) Bezirks, Grafschaft Rieder-Katzenelnbogen, in! klebrigen war אין מלך, ein Jeder vollzog als Geistlicher die religiöse Trauung (Kidusehin), die Schächter ließen sich beliebig prüfen u. s. w. Später kam Geiger als Rabbiner, Prediger und Lehrer nach Wies- *) Wahrscheinlich für die alten Nassau - oranischen Grafschaften Dietz und Hadamar. **) I» Nastätten wohnen jetzt gar keine Juden, und war der frühere Sitz des Rabbinats wahrscheinlich in dem benachbarten Katzenelnbogeu.