Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Ibn-Gebirol's (Avicebron's) Bedeutung für die Geschichte der Philosophie
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 7)
- Language
- German
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392 Briest aus Oesterreichisch-Jtalien. religiösen Gründen sich bestimmen ließ, wenn er dieses bei Plotin 1m Ganzen zurücktretendc Moment des Willens mehr in den Vordergrund stellt. Dagegen muß man sich wohl hüten, unter Gebirol's Willen das zu verstehen, was man gewöhnlich unter Willen sich denkt, und es erscheint als eine bloße dialektische Spielerei, wenn er als Beweis für die Existenz des Willens, die von demselben ausgehende Wirkung der beiden Gegensätze Materie und Form, hinstellt, da es in der Natur des Willens läge, ein Ding und sein Gegentheil hervorzubringen׳ Denn wenn Gebirol die Bchauptnng des Plotin auch zur seinigen macht, daß das Gewirkte gar nicht anders sein kann als Eins und Vieles, so ist die Entstehung von Materie und Form kein Aet des Willens im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern ein nothwendiger Proceß. Bemerkenswerth ist, daß ein gründlicher Kenner des Plotin, Steinhardt (in Pauly's Nealencyclopädie V, 1762) auch von dem Gotte des Plotin sagt, er sei Nichts als schaffender Wille, und nur-insofern man dabei an Willkür und Wahl denke, könne es nicht Wille genannt werden (vgl. Zeller 1. 1. S. 705.). (Fortsetzung folgt.) Briefe aus Oesterreichisch-Jtalien. Blauer Himmel, sanfte Lüfte, Orangenhaine u. s. w. Alles dieses kommt in den Sinn, wenn man von Italien spricht. Natur und Kunst haben sich hier vereinigt, um ein Paradies en miniature zu bilden. Wer nach Italien wandert, hat zunächst dm Zweck, Natur und Kunst zu bewundern und sie zu studiren. Nicht minder als Naturbewunderer und Kunstkenner und Jünger hat der Jude hier das Land, wo er ein großes Stück der Geschichte seiner Väter studiren kann. In Italien ward die Geißel geschwungen gegen die Juden und überall horchte man auf dieses Zeichen und that dasselbe; wenn ich auch nicht verkennen will, daß manchmal die Jünger die Meister übertrafen und die Meister selbst zu Zeiten von menschlichern Gefühlen erfüllt waren , als ihre Vorgänger und Jünger. Ich muß dabei einen Gegenstand zur Sprache bringen, der, wie mir scheint, der Erörterung werth ist. Die jüdische Geschichte findet in neuerer Zeit eine besondere Pflege. Eine Reihe glänzender Namen, Zunz, Rapoport, Luzzatto, Frankel, Jost, Grätz, Herzseld u. A. (so verschiedenartig auch der Standpunkt und der Werth der Arbeiten ist), hat sich dieser Disciplin zugewendet. Nach dem bekannten