Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Ibn-Gebirol's (Avicebron's) Bedeutung für die Geschichte der Philosophie
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 2)
- Language
- German
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Wissenschaftliche Aufsätze. 387 nachzuweisen, eine so vortreffliche Ausgabe der von ihm ausgefun-- denen Auszüge aus dem Mekor Chajim folgen lassen, daß wir auf Grund dieser ausgezeichneten Arbeit, diewas Texteskritik und Uebersetzungstreue betrifft, ihres Gleichen sucht, es unternehmen können, ein Urtheil über Gebirol's Bedeutung für die Geschichte der Philosophie abzugeben. Daß die Lehre Gebirol's das eigentliche Ferment in der scholastischeu Philosophie des 13. Jahrhunderts gewesen, hat in der neuern Zeit zuerst Jourdain ausgesprochen, und ist dann von den hedeutendsten Geschichtsschreibern der scholastischen Philosophie nach den ihnen bekannt gewesenen Quellen genügend gewürdigt worden. Was aber jetzt, wo die ganze Lehre Gebirol's in ihrem Zusammenhänge vorliegt, resultirt, faßt stch nach unserer Ansicht etwa in folgenden Sätzen zusammen: Gebirol's Mekor Chajim ist nichts als ein Lehrbuch der Neuplatonischen Philosophie, und wir haben daran eine vortreffliche Probe, wie die Araber und Juden den Plotin interpretirt und aufgefaßt haben. Von Originalität kann demnach bei Gebirol keine Rede sein, da er Plotin bis in's Einzelne hinein folgt, sehr häufig bis in Wort und Bild. Seine Abweichungen von den Aussprüchen desselben sind lange nicht so bedeutend, als z. B. die des Proklus, der übrigens für diese Abweichungen wiederum, wenn auch nicht die Quelle, doch das Muster des Gebirol ist. Was außerdem die Aristotelischen Anklänge in Mekor Chajim betrifft, so sind sie zugleich sämmtlich im Plotin wiederzufinden, so daß man auch an keine selbstständige Combination Aristotelischer und Plotinischer Lehren zu denken hat. Höchstens zeigt sich in seinem Bestreben, die Aristotelische und Plotinische Katcgorienlchre auszugleichen, das von allen Schulen gleichmäßig anerkannte Ansehen der von Aristoteles aufgestellten Kategorien. ■— Diese so eben ausgesprochenen Sätze sind von Munk keinesweges ganz übersehen worden, nur daß eine Vergleichung der neuplatonischen Lehre im Einzelnen nicht in seiner Ausgabe lag, und daß er darum die Hypostasirung des göttlichen Willens bei Gebirol für eine so nennenswerthe und originelle Abweichung hält, daß er seine Abhandlung über Gebirol mit den Worten beginnt: Parmi le petit nombre cle pliilosophes arabes qui se distinguent par l’originalite et l’inddpendance de leurs doctrines u. s. w. den Inhalt des Fons vitae von D1\ Seyerlen erschienen. Ob der Verfasser die Abhängigkeit Gebirol's von Plotin nicht ahnt, oder blos nicht berücksichtigt, kann ich nicht entscheiden.