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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 10 · p. Seite 367

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 10
Article
Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi
Date
1857-01-01
Page
Seite 367 (sequence 3)
Language
German
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Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi. 367 Die den Juden später so schrecklich gewordene Inquisition bestand auch schon damals — es war aber die alte, und sie forderte nur selten ihre Opfer, denn die hohe Geistlichkeit gehörte in dieser Epoche meistens dem die Juden aus Privatvortheilen begünstigenden Adelsstände an, und die niederen Klassen, besonders die Mönche, hatten damals ganz andere Sorgen und konnten nicht daran denken, ihren apostolischen Eifer entbrennen zu lassen — sie beschäftigten sich mit ihren barraganas, ihren klösterlichen Gefährtinnen, welche durch ihren Luxus sogar den Neid der ad liehen Damen rege machten ׳). Dieses sind ungefähr die socialen und politischen Verhältnisse der damaligen Zeit in dem Lande, dessen Regent Don Pedro wurde. Pedro war von dem ersten Augenblick seines Daseins, ja ehe er noch das Licht der Welt erblickte, bis daß sein grausamer Bruder ihm mit den Worten: ״verruchter Jude!" den Dolch in die Brust stieß, mit Juden verbunden, seine ganze Geschichte ist mit ihnen verwebt, alle seine Leiden theilt er mit diesem an Leiden nur zu sehr gewöhnten Volke. Schon im Mutterleibe, als unreife Frucht, wurde Pedro durch die Kunst eines jüdischen Arztes erhalten. Sein heldenmüthigen Vater hatte bei allen Tugenden und Vorzügen, welche ihn zierten, doch die für seinen Nachfolger sowie für das ganze Königreich höchst verderbliche Schwäche, neben seiner in unserer Geschichte mehrfach genannten Gemahlin Maria von Portugal, schwärmerische Liebe zu der ebenso schönen als geistreichen Leonore aus dem berühmten, 1492 auch in der Geschichte der Juden Spaniens eine Nolle spielenden Hause der Guzman, gefaßt zu haben. Diese Geliebte hatte den König bereits mit mehreren Söhnen beschenkt, während Maria ihn ohne Erben ließ. Plötzlich und unerwartet verbreitete sich im ganzen Reiche die freudige Kunde ihrer Schwangerschaft. Maria's Freude war groß, sie hoffte nun das so lange für eine Andere schlagende, ihr entfremdete Herz des Königs wieder zu gewinnen; aber eben so groß war auch der Schmerz ihrer Nebenbuhlerin, und — was vermag nicht der Neid! — diese faßte den Plan, die Freude der Königin und das vom ganzen Lande ersehnte Kind im Keime 2) 6ortss 4s Valladolid, Art. 24. Vergebens erließen die Cortes Decrete, um diese ״barraganas de clerigos“ zu unterdrücken. 28*

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