Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 2)
- Language
- German
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366 Don Pedro und sein Schatzmeister Samuel Lewi. Alphons VIII. liebte seine Fermosa, die schöne in Romanzen besungene Jüdin, welche ihn sechs Jahre in Zaubersesseln hielt, bis die ricos hombres sie aus Eingabe eines ihnen erschienenen Engels durch den Tod der Geliebten endlich lösten. Alp hon s X. behandelte die Juden mit Milde, zog jüdische Weise, Astronomen an seinen Hos und ward dadurch der Weise, aber auch der Ketzer genannt. Alphons XI-, der Vater des unglücklichen Pedro, welcher uns hier beschäftigt, stand den genannten Namensgenossen an Menschlichkeit nicht nach. Er, der würdige Nachfolger eines Ferdinand, der Held von Rio Salado, der den stürmischen Einfällen der gefürchteten Mauren einen kräftigen Damm entgegensetzte, hatte durch seine beständigen Kriege mit den Völkern eines fremden Stammes und einer fremden Religion aad; seine christliche Bevölkerung an Duldung gewöhnt und durch sein eigenes Beispiel, durch die jüdischen Aerzte, denen er sein und seiner Kinder Leben anvertrautc, sowie durch die Ernennung eines jüdischen Ministers die Lage der geduldeten Inden bedeutend gebessert. Die Politik war allmälig in den Vordergrund getreten, der Fanatismus einer frühem Coneilienperiode, das Andenken an Reccared und Hisebnt, die Privilegien der Geistlichkeit waren aus kurze Zeit geschwunden, die Handelsverbindungen hatten alle Völkerschaften des Königreichs einander genähert und den nie schlummernden Handelsgeist der Juden neu geweckt. Ihrem Gotte treu, dem alten Gesetz und den religions-philosophischen Studien ergeben, hatten sie auch Theil genommen an dem zu Genuß und Freude einladenden Leben und an der allgemeinen Landessitte; sie hatten die Landessprache, dieses nothwendige Bindemittel zu gemeinsamer Thätigkeit sich ganz zu eigen gemacht — traten ja selbst weltliche Dichter, gefeierte Troubadoure, wie R. Schemtob de Carrion, in dieser Periode auf — und sich sogar von den öffentlichen Belustigungen der vergnügungssüchtigen Spanier nicht fern gehalten. Mancher Jude trug statt des Abzeichens das Ehrenband seiner Donna mit Stolz auf seiner Brust. ׳Doch auch der diesen Glanz trübenden Schattenseiten dürfen wir nicht vergessen. Fromme Bekehrungsversuche und große Disputationen, in welchen das Judenthum mit alten verrosteten Waffen bekämpft und seine Träger verhöhnt wurden, fehlten auch in dieser, Emancipation und Gleichstellung freundlich zulächelnden Zeit nicht.