Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Briefe aus Österreich
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 5)
- Language
- German
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Briest aus Oesterreich. 335 eben nach dieser Richtung hin in vollem Maße Rechnung tragen ׳ wird, und dazu wünschen wir das beste Gedeihen! Ich sollte wohl nächst der Schule auch des Gotteshauses oder der Gotteshäuser gedenken; doch wüßte ich Ihnen nichts Bemerkliches hervorzuheben. Hier kann Jeder aus seine Weise selig werden mit Bame Madlikin und ohne dasselbe, mit Piutim und ohne dieselben. Was attcrdiugs hervorzuheben wäre, ist, daß der Tempel zu klein für das Publicum wird, das da hineingeht. Prag ist darin glücklich, daß di« Häupter in Frieden und Eintracht leben, und dieses bewirkt es, daß im Publicum selbst das Parteiwesen keine Nahrung findet. Wer das Verständniß hat für eine gelehrte, von Tief- und Scharfsinn glänzende Derascha-Predigt von Rapoport, geht in die Synagoge, wo derselbe eben sein Wort hören läßt, und wer das göttliche Wort in nach den Gesetzen der Rhetorik geordneter geestreicher Weise gern vortragen hört, besucht den Tempel und hört Kämpf's Predigten. Da es aber nur Einen Tempel und viele Synagogen gibt, so ist es sehr wünschenswerth, daß der Tempel erweitert oder daß ein neuer erbaut werde. Sv viel man auch in neuer Zeit dagegen einwenden mag, daß die religiöse Kraft blos im Gottes- Hause sei und unsere Zeit blos durch Tempelbauten bezeichnet wird, so ist es andererseits gewiß, daß wo die Heiligthümer in Israel sich erhoben haben, da erhob sich auch Israel und mit ihm und in ihm der Glaube. Die jetzt massenhaft in aller Pracht sich erhebenden neuen Gotteshäuser werden den künftigen Geschlechtern verkünden, daß Israel auch in der Jetztzeit seinen Gott verherrlicht hat. Indem ich von Böhmen während des Sommers spreche, darf ich nicht der böhmischen Bäder vergessen, wo eben jetzt ein reges Leben herrscht. Da wie dort macht man die Bemerkung, daß Israel seinen Erbadel nicht verloren hat ב״י רחמנים, und mit einem gewissen Selbstgefühl spreche ich es aus ראו מה לבין בני לבן חמי . In welcher Weise wird für die armen jüdischen Kranken gesorgt, im Verhältnisse wie dieses bei andern Confesfionen geschieht! Dazu kommt noch, in Karlsbad, Maricnbad rc. werden jüdische Spitäler erbaut oder erhalten. Zählen Sie einmal, wie viel von andern Confessioneu für diese jüdischen Spitäler eingcht und nun zähle man, wie viele Summen von Juden für Spitäler dieser Kurplätze hergegeben werden, die anderweitig erbaut oder erhalten werden. Bei dieser Gelegenheit will ich zum Schlüsse einen kleinen, aber doch nicht ganz unwichtigen Punkt berühren. Ein großer Theil des jetzigen jüdischen reisenden Publieums hält sich in Betreff der Speise-