Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
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322 Zur Geschichte der Jri^en in Danzig. kleiner Theil, durchschnittlich etwa ein Sechstel, auf wirkliche Gemeiudebedürsnisse verwendet; diese sind besonders durch indireete Steuer!: auf Fleisch, Wein, Mazoth u. dgl., durch Collecten und freiwillige Spenden befriedigt worden; das Meiste geht darauf, um sich Schutz von den großen und Ruhe vor den kleinen Herren zu erkaufen. Interessant ist zu sehen, was für Posten vor hundert Jahren in einer Gemcinderechnung ftgurirteu. Da heißt es außer dem Schutzgelde von 900 bis 1000 Fl. *)בשביל! א״פ (Strafgelder) 1200 להשררה יר״ר, קנם Fl. Geschenk an den Obersten. 225 ״ Geschenke an den Jnstigator, an den שופט (Richter), an den Controleur, an den Pater Prior, au die משרתים (vermuthlich Polizeibeamten), und es gab deren in Danzig, auf dem Stolzenberge, auf der hohen Seite und in den Klöstern, man mußte alle zu Freunden haben, und das war nur zu erreichen durch Dominiksgescheuke, durch הגאות-Gelder, d. h. Festgescheuke in verschiedenem Betrage, je nach ihrem Range, von 400, 100, 50, 20 und 10 Fl. Eine alljährliche, nicht unbedeutende Ausgabe erwuchs daraus, daß die Vorsteher von den Regierungsbeamten ausländische und inländische reducirte Geldsorten, z. B. Tümpsen, zum vollen Werthe oder einen! Zwangscourse annehmen, mußten. Der Posten ממעות שקבלתי מהשופט חיזק מן מטבעות (Gelder vom Richter mit Verlust an den Münzen angenommen) fehlt in keiner Rechnungsablage, und erscheint oft in einem Jahre zehnmal. Auch Waaren, z. B. Kaffeebohnen re., müssen die Juden zu einem Zwangswerthe aunehmen und die Verluste daran tragen, und Lotterieloose werden ihnen aus Kosten der Gemeinde ausgenöthigt. Die großen wie die kleinen Herren haben auch noch mancherlei Gelüste , die sie gern auf Rechnung der Gemeinde befriedigen. Daher rühren Posten in den Rechnungen, wie Dutzende von בו.דים , vermuthlich Tüchern, ferner Wein, Knaster, Rum, Bräuntwein, Citronen und eine Liebhaberei von שיי אתרוגים להשררה (zwei Paradiesäpfeln der Herrschaft). Auch Schulden hat die kleine Gemeinde im Jahre 1757 1600 Gulden; sie wachsen in zehn Jahren schon uu! das Doppelte an und werden später, wie mir sehen werden, noch bedeutender. Die Geleitgelder wurden von dem Gemeindevorstande in einer Pauschsumme bezahlt und ihm dafür so viel Geleitscheine ausgestellt, als das Verzeichniß 2) Ich habe nicht ermitteln können, was diese Abkürzung bedeutet.