Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Niederlande und das holländische Leben
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 21)
- Language
- German
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Die Niederlande und das holländische Leben. 305 Die Schneider befinden sich in dein gewöhnlichen Verhältnisse Besoldeter: man zahlt ihnen nach dem Stück oder dem Karat. Die'Schleifer zahlen die Miethe von den Stellen, die sie einnehmen und von den zu ihrer Arbeit nöthigen Gegenständen: Hiermit hat es folgendes Bewandtniß. Vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren arbeitete jeder Schleifer zu Hause, und er hatte eine Maschine, die er von Menschen treiben ließ. Die Unternehmer haben sich nun vereinigt und Fabriken erbauet, wo die bewegende Maschine theils durch Pferde-, theils durch Dampfkraft getrieben wird-, wofür die Arbeiter den Herren eine festgesetzte Summe zahlen. Die Herren haben bei dieser Ein- Achtung einen wesentlichen Nutzen , die Arbeiter einen gewissen Vorth eil erlangt. Der Lohn richtet sich nach "der Geschicklichkeit eines Jeden und väriirt zwischen 26 bis 100 Franken wöchentlich, und sogar noch höher. Die Ferienzeiten abgerechnet, müßte die Lage der Diamantarbeiter glücklicher und trefflicher als die aller andern Arbeiter sein. Aber unglücklicherweise wurde das Diamantgeschäft als das erste Luxusgesckäft zuerst von den pölitischen und commerciellen Krisen betroffen. Als ich in Amsterdanl war, litten die Diamantladen sehr unter dem orientalischen Kriege : 1 Die Arbeiter arbeiten im Winter bis um acht Uhr des Abends; die Säle sind mit Gas beleuchtet. Einen Tag in der Woche, Donnerstag, arbeiten sie fünfzehn Stunden, um den Vertust des Sonnabends, welcher der Sabbat der Juden ist, zu ersetzen. Es ist interessant, die Gleichgültigkeit zu betrachten, mit welcher diese schwarzen Hände die Theile der krystallistrten Rosen behandeln, auf welche die Damen und Kapitalisten einen so hohen Preis verwenden. Einige-dieser Arbeiter, sagte mir ein Werk- Meister, würden vielleicht eine Scheere oder einen andern Gegenstand, aber nie einen Diamant nehmen. Die Diamantverfertiger zahlen chas, was sie verderben und noch darüber; sie ersetzen 60 fl. für das, was 30 fl. werth ist. Einige dieser Arbeiter sind wahre Künstler. Alle seit fünf Jahren in den Bergwerken Brasiliens gefundenen großen Steine wurden in Amsterdam in den Werkstätten des Herrn Castor bearbeitet. Die Geschicklichkeit dieser hervorragenden Arbeiter ist für sie selbst ein Geheimniß: ״man hütet sich wohl," sagte mir ein Director, ״sie über ihren Werth auszuklären , che würden zu hohe Forderungen/stellen." Hier wurde der berühmte ״Stern des Südens" bearbeitet. Dieser