Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Niederlande und das holländische Leben
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 18)
- Language
- German
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302 Die Niederlande und das holländische Leben. lichen Wesen sprachen. Aller Abfall der Koketterie, des Ruhmes, der Schönheit, alte Kleider und alte Treffen liegen hier traurig, bestürzt, von der Menge betastet, die sie Untersucht!und lacht. Die Juden handeln mit diesen unförmlichen Fetzen; sie schmelzen den Hochzeitsring, dessen Gold wenigstens rein geblieben ist. In diesen kothigen, feuchten Gassen,!wo mit grünem Schweiß das Pflaster bedeckt, wo bleiche Gesichter sich an den bleifarbenen Mauern abmalen, wo altes vom Rost angefressenes Eisenwerk und von Würmern zernagte Purpurstreifen untereinander liegen, begegnen dem erstaunten Blicke einige in einer geheimen todten Sprache geschriebene Ladenauffchristen. Diese hebräischen Buchstabenenthalten zuweilen Sätze in der Sprache Israels, öfter aber sind nur die Zeichen fremd,!die Worte-aber holländisch. — Man hat zu jeder Zeit die Juden mit der Beschuldigung der Habgier belastet, die sich leider auf kaum widerlegbare Thatsachen stützt, die aber zumeist nur die unteren Klassen der israelitischen Familien trifft. Man muß!sich erinnern, daß die Lage dieser Klassen sich seit dem Mittelalter nicht geändert hat. Nachdem man sie gezwungen hat, sich zu dem Gewinn, als der alleinigen Quelle, durch die sie die Unduldsamkeit ihrer Gebieter zu mindern vermochten, zu erniedrigen, hat man gegen sie daun das Gehässige -der Gewinnsucht hervorgehoben. Geht man weiter den Thatsachen nach, so findet man, daß die unteren israelitischen Klaffen gewisser Laster sich in geringerm Grade schuldig machen, als die sie umgebenden gemeinen Klaffen. Man durchsuche die Jahrbücher des-Verbrechens : findet man daselbst viele Namen hebräischen Ursprunges? Man kann diese Art moralischer Höhe dem unter den Juden so ausgebildeten Wohlthätigkeitssystem zuschreiben, das, indem es das Elend mindert, den thierischen Versuchungen, aus denen das schwarze Heer der Verbrechen hervorbricht, vorbeugt.fl Man muß zu gleicher Zeit anerkennen, daßdieMoralgrundsatze, die den Grund des Christenthunis bilden, auch (!) die Grundfäule der jüdischen Religion repräsentiren. . Nicht nur die Reichen stehen dem Unglücklichen bei, sondern was den Inden charakterisirt, ist das Wohlthun des Armen gegen den Armen. — Die Tugenden der Juden sind überhaupt häusliche Tugenden.! Die!Holländer; zeichnen• sich wie 1) Eine tiefer liegende Ursache. Bgt. unsere Schrift .,der gerichtliche Beweis“ S. 52, 53, :