Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 8 · p. Seite 300

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 8
Article
Die Niederlande und das holländische Leben
Date
1857-01-01
Page
Seite 300 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829206-2829215-2855284--03729-2855311
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

300 Die Niederlande und das Holländische Leben. anerkannte jüdische Schulen und eine große Anzahl Privatanstalten. Viele freier denkende Juden stehen nicht an, ihre Kinder in öffentliche Schulen zu schicken, in denen man bisher die Moral ohne B eziehung auf die verschiedenen im Lande existirenden Glaubensbekenntnisse unterrichtete; der specielle Religionsunterricht wurde außerhalb der Schule ertheilt. Dieses Verhältniß ist in den letzten Jahren von der ultraprotestantischen Partei stark angegriffen worden, und die Majorität der Generalstaaten schien trotz eines lebhaften Widerstandes geneigt, dieser Partei auf diesem Wege zu folgen. Mehrere denkende und vorurtheilsfreie Männer blicken auf diese Reform mit tiefer Trauer. Die Vereinigung katholischer, resormirter und israelitischer Kinder unter einer Lehrweise, sagen sie, war für sie eine Schule religiöser Duldsamkeit. In einem Lande, wo viele Secten, wo die Spättung in der Spaltung, die Trennung in der Trennung, kann es nur vortheilhaft wirken, wenn sich ein neutraler Boden findet, auf welchem die Jugend sich begegnet und zeitig die Achtung erlernt, die man jeder aufrichtigen Ueberzeugung schuldig ist. — Die Erziehung der israelitischen Mädchen war lange Zeit in Europa vernachlässigt, wahrscheinlich durch das im Morgenlande herrschende Borurtheil (das Judenthum verräth bei jedem Schritt seinen vrientalifchen Ursprung) über die Stellung der Frau?) Dieser Vorwurf kann jetzt nicht den jüdischen Familien Hollands gemacht werden. Durch die intellectuelle Bildung beider Geschlechter, so wie die beziehungsweise glückliche Lage, deren sich die Juden vor der völligen Freiheit in den Niederlanden erfreuten, findet man heute die Juden in allen edleren Zweigen vertreten, im Gerichtshof und der Magistratur, im Unterrichtswesen und der Literatur, in der Presse und den Künsten?) 8) Dieser Sah ist unrichtig; die Stellung der Frau war. wie wir anderswo Nachweisen werden, im Judenthum stets eine würdige. 6) Herr E. macht hier mehrere Staatsbeamte, Gelehrte, Aerzte u. s. w. namhaft, als Godefroi, Deputirter und Rath am Appelhose zu Amsterdam, van Mes ritz, Administrator der Domänen, den Chemiker Sarphati, den Mathematiker Lobbat »,Professor zu Delft, den Arzt vaN D e en, Prosessor zu Groningen, Hirsch, erster Lehrer an dem zu Rotterdam neu errichteten Taubstummeninstitut, David Blas, Israels, Narwaer, Kalisch als Maler ausgezeichnet u. A.; endlich zwei junge Damen-, Estelle und Marie Herzveldt, die in dem holländischen von dem Advocaten und Publicistrn de Pinto herausgegebenen Jahrbuche der ״Gesellschaft öffentlicher Nützlichkeit zu Gunsten der Israeliten," treffliche Aussätze--lieferten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.