Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Niederlande und das holländische Leben
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
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286 Die Niederlande und das holländische Leben. Moses gelehrte Gott allenthalben und immerdar; es hat gebauet die Pyramiden und hat gesehen das Parthenon Zusammenstürzen. Sein religiöses, politisches und bürgerliches Leben war in dem Tempel zu Jerusalem concentrirt; der Tempel ist gefallen, es selbst existirt noch. Ohne Vaterland eignet es sich die Sitten und Gewohnheiten der Civilisationen an, durch welche es sein Weg führt. So stellt es sich dar auf den Monumenten des alten Orients, so findet man es heute wieder. Es entlehnt zuweilen von den nordischen Völkern deren blondes Haar, die blauen Augen, das matte Weiß; aber es bewahrt unter allen diesen örtlichen Umbildungen seinen unauslöschlichen Charakter, seine semitischen Züge, seinen ernsten und lebendigen Gesichtsschnitt. Seine in den CereMonien so vieler Culte aufgenommenen Gesäuge erfüllen die Welt. Immer verbannt und immer aufrecht zeigt es sich über seinen Bedrückern stehend; seine Geduld hat die Verfolgungssucht erschöpft und die gesetzlichen Hindernisse besiegt. Hingeworfen und getreten wie ein abgestorbenes Blatt geht es durch bald zwei Jahrtausende durch die Welt und durch die christliche Civilisation, die es als ein lebendiges Zeugniß der göttlichen Rache betrachtet (vgl. weiter). Ein ziemlich allgemein geheiligter Jrrthum will, daß das Ueberallvorhandensein der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels durch Titus datire. Ist dieses aber in der That die große Epoche der Zerstreuung der Juden, so beweisen authentische Denkmäler, daß die Niederlassung gewisser hebräischer Familien und zahlreicher Volkshaufen auf verschiedenen Gebieten der Erde weit höher als bis zum Untergange Jerusalems hinaufreicht, da der Bau des zweiten Tempels nur von einzelnen Ueberresten des Volkes begrüßt wurde, dessen meiste Stämme aber schon bis zum äußersten Orient zerstreut waren '). Man findet selbst in Abyssinien einen jüdischen Zweig, den die Traditionen mit der Geschichte des Königs Salomo in Verbindung bringen. 1) Daß schon zur Zeit des zweiten Tempels, die Juden weit zerstreut warm und selbst die mit Jerusalem in engem Zusammenhänge Stehenden sich in vielfachen Colonien und Gemeinden über den grösten Theil der damals bekannten Welt verbreitet hatten, ist in dieser Monatsschrift 2. Jahrg. in dem,Aussatze ״Die Diaspora zur Zeit des zweiten Tempels" nachgcwiesen worden. Herr E. hätte also nicht so weit hinauf, von den mit dem später» Judenthume in keiner Verbindung stehenden und der eigentlichen geschichtlich!«» Unterlage entbehrenden Nachkommen der zehn Stämme, auözu holen gebraucht.