Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Leitfaden für den israelitischen Confirmanden-Unterricht. Von G. Süskind, Bezirksrabbiner. Wiesbaden 1855.
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 4)
- Language
- German
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284 Recensionen und Anzeigen. Uebung einer Ceremonie unterlassen werden darf. Daß es solche gibt, wie Lebensrettung, Kriegsdienst für das Vaterland rc. ist außer Zweifel. Daß die Bibelstelten nicht schlagend find, wie Neeens. meint, haben wir nicht gefanden; wir finden vielmehr, daß dieselben angemessen gewählt und gut übersetzt find; so führen wir namentlich an, daß der Verf. übersetzt: Höre Israel, der Herr ist unser Gott, d. rc׳, während bisher in den meisten Uebersetzungen die Copula fehlt, und man ״unser Gott" nur als Apposition betrachtete; passend ist auch ראשית übersetzt: ״der Weisheit Ziel". Erwähnt muß auch werden, daß der Verf. die Erwählung Israels um der Stammväter willen ausdrücklich hervorhebt, welche-Lehre nur gar zu häufig verpfuscht worden. An das Neujahrsfest wird passend die Bedeutung der סלביות זברוגות '•ושופרות geknüpft, lieber das Prophetenihum und die mündliche Lehre als göttliche Veranstaltungen zur Erhaltung der israelitischen Lehre haben wir schon gesprochen. Bei der Frage, ob die Neligionsbehörden das Recht hatten, Anordnungen und Vorschriften zu ertheilen, wird der Vers 5 לא ת12ר. B. M- 17, 11 angeführt. Die nun folgende Eintheilung des Lehrinhalts der heil. Schrift ist nach einer einfachen logischen Ordnung, nnd jede Abtheilung eben so streng logisch äbgetheilt, was wir z.,B. in dem ״Confirmandenunterricht von Kirchenrath Maier" vermissen, wo die einzelnen Lehren nur lose aneinander gereiht find. Doch ist hier zu bemerken, daß der Vers, mit Unrecht die Unveränderlichkeit Gottes unter die Rubrik ״Heiligkeit" setzt; sie gehört unter die ״geistigen" Eigenschaften Gottes, ist eine Folge der Ewigkeit Gottes, in derselben enthalten. Bei der Definition von ״Gott ist geistig" wünschten wir statt der Worte ״er tritt in keiner Gestalt in die Sichtbarkeit" einen allgemeineren -Ausdruck, wie z. B. -״׳er ist nicht sinnlich wahrnehmbar"; aber vielleicht hat der Vers, dabei einen polemischen Zweck. In derselben Desinition ID ist das Wort ״auch" unpassend. Denn Allmacht, Allwissenheit rc. fügen der Definition von ״geistig" nichts Hinzu, sondern find Ln derselben enthalten. Aber der Verf. war offenbar in Verlegenheit, wie er die Eigenschaft, daß Gott nicht in die Sichtbarkeit trete, mit einem Worte ausdrücken könne; ״unkörperlich" wäre als Subsumtion von ״geistig" nicht passend gewesen. Die Definition von ״Gott ist heilig" mit den Worten: ״er besitzt alle denkbaren guten Eigenschaften" ist etwas vag, oder ist gar keine Definition. Warum hat der Vers, nicht die Definition gewählt: ״er liebt das Gute und haßt das Böse"? Wenn sie gleich alt ist, so ist sie doch die einzig richtige. Auch fehlt unter den Eigenschaften, die zur Heiligkeit Gottes gehören, die Wahrhaftigkeit. Unter die Vorzüge des Menschen zählt der Vers., ״daß der Mensch in unerschütterlich em Vertrauen ein ewiges Leben erwartet." Das soll -wohl heißen: daß seine Seele unsterblich ist; der Satz könnte auch dahin verstanden werden, daß jeder Mensch an ein ewiges Leben glaubt. Der Verfasser hätte sich aber deutlicher ausdrücken sollen. Wie es hier steht, muß es mißverstanden werden. — Finden sich nun in diesem Leitfaden manche Mängel, so find dieselben nicht so Zahlreich und nicht von der Bedeutung, daß sie auffallend hervortreten, und treten gegen die Vorzüge, wie z. Bdie-systematische Ordnung und Eintheilang, gegen^ie angemessene Kürze und Deutlichkeit tut Ausdruck bedeutend zurück, und'M das ^Büchlein unseres Erachtens sehr zu empfehlen. Di׳. Cahn, zweiter Rabbiner in Mainz.