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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 7 · p. Seite 275

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension]
Date
1857-01-01
Page
Seite 275 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Necenfionen und Anzeigen. 275 Die Darstellung jeder Wissenschaft, wenn diese vom Leser ersaßt werden und zu dessen innerstem Bewußtsein dringen soll, muß von einer lebenskräftigen Sprache unterstützt und getragen sein. Dem Darstellenden muß die unerschöpfliche Fülle.der Rede zu Gebote stehen; er darf nicht mit dem Ausdrucke ringen und seinen Behauptungen die Fesseln einer alten, abgeschlossenen Sprache anlegen, wenn er nicht Gefahr laufen will, unklar, ja oft unverständlich zu werden und überhaupt aus sprachlichen Rücksichten manchen Gedanken ausopfern zu müssen. Besonders in unseren Tagen,' wo der Wissenskreis sich so .sehr geweitet, wo selbst frisch pulsirende, in steter Fortentwickelung begriffene Sprachen mit ihrem Vorrathe für die Bezeichnung der neugewonnenen Begriffe nicht ausreichen und man in fremde Gebiete hinüberzugreifen genöthigt war, erscheint der Versuch, eine bestimmte Disciplin vom modernen Standpunkte und für moderne Leser in einer abgestorbenen Sprache zu bearbeiten, als reine Spielerei, zumal wenn diese, wie in dem oben angezeigten Werke, philosophischer Natur ist und sich fortwährend in Abstractionen bewegt. Wir müssen auch daher dieses Werk des sonst so vortheilhaft bekannten Vers, in welchem ein solcher Versuch gemacht wird, so viel verheißend es auch auftritt, als ein seiner ganzen Anlage nach verfehltes betrachten. Wir können zwar nicht läugnen, daß der Verf. viel Fleiß und Gelehrsamkeit äufgeboten hat, aber wir find begierig zu wissen, für welche Leser er diese Encyclopädie der Philosophie geschrieben hat? Wahrscheinlich doch, nicht für deutsche Juden, sondern für seine der deutschen Sprache unkundigen Mitbürger, oder etwa, wie der Vers, in der Vorrede angibt, für die arabischen, tunesischen und marokkanischen Juden! Und da scheint es uns in der That ein kühnes Unternehmen, die Resultate der neueren, oder was gleichbedeutend ist, der deutschen Philosophie, deren eigenthümliche Dialektik sich selbst die geschmeidigen Franzosen noch nicht mundgerecht machen konnten, in hebräischer Sprache wiederzugeben. Sollte auch das Buch diejenige Klasse von Lesern finden, ans welche der Verfasser zählt, — was wir übrigens bezweifeln—, so ist es kaum denkbar, daß der Inhalt in der Form, in welcher er hier gegeben wird, ihnen je zum Verständnisse kommen werde. Es erwächst aus einer solchen Arbeit nichts Anderes, als daß die reine hebräisch« Sprache sich neue Verrenkungen gefallen lassen muß, — um in ein scholastisches, germanisirtes Hebräisch umgeschaffen zu werden, und selbst diese nicht zu billigende Methode reicht bei weitem nicht aus, um Wissenschaften, die ganz das Product der letzten Zeit sind, z. B. die Aesthetik, gehörig darzustellen (wie dies ja der Verf. selbst S. 184 zugestehen muß). 21*

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