Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Briefe aus Süddeutschland
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829206-2829214-2855212--03675-2855253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
262 Briefe aus Suddeutschland. in hiesiger Umgegend und zur Uebernahme der Gevatterschaften bei denselben. — Die Wirksamkeit dieses Vereins erstreckt sich auf drei Meilen im Umkreise. 9 ׳) Israelitischer Sustentations-Verein für Lehrer und Commis^). 10) Verein zur Holzvertheiluug an israelitische Arme. — Jeder eingebürgerte Arme erhält 1^/2 Klafter Brennholz für den Winter. Hieran schließt sich 11) Feuerungs-Hülfskasse, aus welcher die nicht eingebürgerten Armen in Frankfurt״ sowie die der Umgegend, ein gewisses Quantum Fcuerungsmaterial erhalten. 12) Krankenkasse für Permisflonisten, d. i. derer im Eingang gedachten in Frankfurt wohnenden, nicht aber der eigentlichen Gemeinde angehörendcn Israeliten. 13) Verein zur Speisung armer Handwerkergesellen am Sabbat und Feiertagen. ׳ 14) Endlich rechnen wir hierher noch den unter dem Protectorate des Gemeindevorstandes erst vor einigen Jahren errichteten Almosenkästen, welcher die ihm überwiesenen Spenden von Privaten, vom Staate, und von der Gemeindekasse zu Vertheilen hat. - Alle diese Gemeinde- oder Vereins-Anstalten haben ihre eigenen Statuten, eine selbstständige Verwaltung (deren Personalien größtentheils in dem Hand- und Staatsbuch der Freistadt Frankfurt angegeben sind) und werden durch wöchentliche oder jährliche Beiträge erhalten.— Da nun diese mit Recht so weitberühmte Gemeinde thatsächlich ohne alles und jedes Proletariat ist, und nur neben der finanziellen Aristokratie (sit veuia yerbo!) einen gesunden, kräftigen Mittelstand hat, so sind diejenigen der obengedachten, für eingebürgerte Arme bestimmten Anstalten wenig oder gar nicht in Anspruch genommen. Die Krankenhauser stehen oft ganz leer, und der Versorgungsanstalt fehlt es an ... Pfründnern! Es ist daher natürlich , daß die Capitalicn der obengedachten Anstalten enorm heranwachsen. Von den außerordentlich zahlreichen Privatvermächtnissen und Stiftungen, wie für Brautlegate, Holzvertheilüngen, Stipendien rc. u. heben wir blos hervor a) die Karl M. und Alexander von Rothschild'sche Stipendienftistung für israelit. Knaben; b) die Adelheid 3) Wir kennen nicht die näheren Bestimmungen der Statuten; aber die Frage erlauben wir uns: Warum die Zusammenstellung zweier Stände, die so sehr wesentlich sich von einander unterscheiden? Und könnten nicht die armen, armen und ewigarmen Lehrer wenigstens in der stolzen Mainstadt ein bescheidenes Refugium besitzen?