Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Briefe aus Süddeutschland
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829206-2829214-2855212--03669-2855247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 Briefe aus Süddeutschland. Briefe aus Süddeutschland. 7. Wenn auch irrthnmlich, so erscheint es doch eigenthümlich, das talmudische Wort: חי^ת מאה קטירי תו,א איכא ^.הממיא (Megilla 6 b) aus unser liebes Deutschland zu beziehen''); jedenfalls ist es richtig, daß dieses in mancher Beziehung (s. ob. S. 91) ein modernes Babel heißen kann, wenn auch glücklicher Weise jene in die Hunderte gehende Trias übertrieben und bis vor wenigen Jahren die bescheidene Doppeltrias 33 geblieben ist; aber auch dieses Pärchen erlitt eine keineswegs bcdanernswerthe Bresche, und so dürfte es denn doch nicht ganz außerhalb der. Möglichkeit liegen, eines Tages (wann? das liegt freilich außerhalb des Horizonts des tiefdenkenden Gernianiens) eine quecksilberne Kugel zu erblicken, welche in seliger Einheit die großen und kleinen bewegungsliebenden Körperchen vereinigt; bis dahin wollen wir uns ruhig gedulden und unsere Wanderung durch die deutschen Staaten ortsetzen. Wir gelangen heute — nicht nach Hessen-Darmstadt, nicht nach Hessen-Kassel, auch nicht nach Hessen-Philippsthal, sondern nach Hessen-Homburg. Diese Landgrafschaft theilt sich bekanntlich in zwei Aemter, in das Oberamt Meisenheim, welches aus der linken, und in das Amt Homburg, welches auf der rechten Rhcinseite liegt. Hier leben 649 Israeliten, und zwar in Homburg 583, in den Dörfern Gonzenheim 4, Köppern 19, und Seulberg 43; in dem Oberamte Meisenheim (wozu noch 10 Ortschaften, in denen Juden leben, zu ziehen sind) wohnen 470 Israeliten; somit leben in diesem Theile Deutschlands 1119 unserer Glaubensbrüder, von welchen die aus den gedachten Ortschaften des Amtes Meisenheim in 4 Synagogen zum Gottesdienste sich versammeln; im Amte Homburg bestehen zwei Cultüsgemeinden: 1) Homburg, 2) Seulberg und Köppern. — Als Rabbiner sungiren vr. Fromm in Homburg״) und Flehinger in Meisenheim. Geben wir vorerst eine Darstellung der politischen Verhältnisse unserer dortigen Glaubensbrnder. — Am 6. März 1848 erließ der Landgraf auf das stürmische Drängen der damals, wie bekannt, ausgeregten Bevölkerung viele auf die Presse, das Vereinsrecht u. s. w. bezüglichen Gesetze, die aber später in Folge eines Befehls des Bundestags zurückgenommen wurden. Die Gesetze jedoch, welche Tages darauf, am 1) So der Glossator zu Jalkut Schim. 2. Th. S. 129 d. 2) Dr. Fromm ist auch Rabbiner für Seulberg und zugleich — Präses -es Vorstandes der letzter» Gemeinde.