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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 6 · p. Seite 215

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 6
Article
Briefe aus Österreich
Date
1857-01-01
Page
Seite 215 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefe aus Oesterreich. 215 ist bald dafür! gewonnen! etwas zu schaffen, etwas m'S Leben, zu rufen: mit . einem Worte, cs ist!leicht ihn zm cnthusiasmiren. Allerdings fehlt auch dann!-nicht die Schattenseite: mit dem verlöschenden. Enthusiasmus (und es liegt in der Natur desselben nicht lange zu dauern) .verlischt auch!das Interesse. Wie kein Kronlandder Monarchie hat .Ungarn die Hebung des-Schulwesens gefördert. .Von den vielen Schulen aber die in's Leben gerufen werden, dauern wenige nur längere Zeit. -Woher dieses! koiümt soll! hier mitgetheilt werden, doch muß ich etwas weiter aus holen. - :!! Bekanntlich! hat der schwarze Frack viel zur Demokratie beigetrageu. Der" Minister, wenn er nicht in Amtstracht erscheint, trägt kein anderes Kleid als der Handwerker, der in Gesellschaft, erscheinen will. In-weil größerem Maße wurde dieses durch die Eisenbahnen gefördert. Das eiserne Geschick trägt mit -gleicher Schnelligkeit einen wie den andern: ״Groß und . Klein ist dort gleich". : Ich will! nun hieraus wederdie politischen noch die nationalökonomischen Eonseqüenzen -ziehen. Ich habe nur unsere jüdischen Verhältnisse dabei im Auge, und diesen haben sie manches Heil- und manches Unheilsame, gebracht. Der. wohlhabende Mann, der es dem reichen Manne gleich thuir will, geht zu Grunde, und noch weniger kann der minder bemittelte Manu gleichen Schritt halten; der Parvenü endlich bietet gar keinen erquickenden Anblick dar. ';! Dieses ist der Schlüssel, der zu der Verstimmung führt, wie wir sie iu den meisten Gemeinden sehen. ׳Es.wird eine Schule in's Leben gerufen und sie bringt-nach zwei, drei Jahren nicht die Genialitäten dutzendweise hervor : wer anders ist dann daran Schuld als die Schule, und man verurtheilt den Lehrer und die Schule. Ich werde es nun nicht! in Abrede -stellen, daß da und dort der Lehrer einen Theil der Schuld! trägt; aber man verlange nicht für die bescheidenen Mittel, die man bietet,- die ״Auserlesenen", die nirgends massenhaft zu treffen sind. Der liebe Gott hat es einmal so eingerichtet, daß es weit weniger Eedern und Palmen als BachweiLcn gibt:! Wenden!wir uns von der Schule zur Synagoge, so finden wir die Verwirrung noch! .weit ärger. Wir bedauern aussprechen zu müssen, aber es ist.gewiß,! daß von der heiligen Stätte die profansten Dinge hervorgingcn, daß da der Heerd war, von wo aus zumeist die grösten Zwistigkeiten und Streitigkeiten der Gemeinde sich vorbereiteten. Es gibt in Ungarn viele Gemeinden, wo man es als Verbrechen ansehen würde, wenn! man den Almemar aus!der Mitte der Synagoge wegschaffen, wollte, um ihn zum ארון הקדש zu rücken; daß aber das Gotteshrus ein Tummelplatzaller Launen, ein Forum «m die Tagesneuig-

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