Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Danzig
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden in Danzig. 213 ein Kopfgeld von 3 Fl. pro Tag verwilligt. Im Jahre '1626 wird die Niederstadt und Langgarten mit der Stadt vereinigt. Hier auf dem der Weichsel zunächst belegenen Stadttheile hatte der Rath zu Gunsten der jüdischen Holz- und Getreidehändler einigen Juden zur Haltung von Garküchen ein perpetuirliches Geleit verwilligt, ihnen auch, sowie einem Schächter, die Genehmigung sich zu verheiratheu ertheilt, wobei sie jedoch ״solche Verwilligung unter fälschlicher Angabe nicht auf Andere zu übertragen strengstens gehalten sein sollen." So hatte die Gesetzgebung selbst das Privilegium Casimirianum zu Gunsten einiger Juden aufgehoben. Der Rath wußte recht gut, daß es bei diesen Einigen nicht bleiben würde, und die Verwarnung, die Verwilligung nicht auf Andere zu übertragen, steht beinahe wie ein Fingerzeig aus, das Gesetz zu umgehen. In der That wissen bald eine ganze Anzahl von Familien ihren Aufenthalt in der Stadt möglich zu machen. — Aber wie traurig muß dieser Aufenthalt gewesen sein! denn auf jedem Tritte war man sicher, zwei der gefährlichsten Feinde, dem religiösen Fanatismus und dem Brodneide zu begegnen, denen der Jude, schon durch seine äußere Erscheinung und durch seine Beschäftigung kenntlich, stets ausgesetzt war. Mit der Reformation war der Religionseiser in Danzig im höchsten Grade entbrannt. Die Religionsstreitigkeiten wurden mit großer Erbitterung auf den Kanzeln angeregt und in den Straßen ausgejochten. Lutheraner, Calvinisten, Katholiken und Mennoniten wütheten gegen einander. Gegen die ״verdammte Secte der Quäker" wird verordnet, daß wer von derselben in der Stadt angetroffen wird, zum ersten Male mit dem Profoß, zum andern Male durch den Henker soll hinansgesührt werden. Mau kann denken, wie viel weniger glimpflich das Verfahren gegen die Juden sein mochte, da sich hier alle christlichen Parteien in ihrem Hasse begegneten. Die Bekehrung der Juden wird von den Geistlichen eine Zeit lang mit Ernst betrieben. Mit welchem Erfolge, ergibt sich am deutlichsten aus einer im Jahre 1664 gedruckten Predigt des Predigers Lramer an der Trinitatiskirche. Sie führt den Titel ״der verstockte Jude", und der heilige und gelehrte Mann eifert und jammert, daß ein zum Tode verurtheilter Jude sich durchaus nicht habe zum Christenthum bekehren lassen wollen. Ob zu diesen Erfolgen gerechnet werden muß, daß ein gewisser Johann Salomo zum Christenthum Übertritt und Lector der hebräischen Sprache am Gymnasium wird, muß dahin gestellt