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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 5 · p. Seite 176

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 5
Article
Briefe aus Wien
Date
1857-01-01
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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176 Briefe aas Wien. Die ersten Lichtstrahlen unserer Freiheit brachen zur Zeit des Völkerfrühlings hervor, und auch jetzt geht die Freudenkunde vom Munde zu Munde, daß die provisorischen jüdischen Verhältnisse endlich zu einem erfreulichen Abschlüsse kommen sollen. Die brennendste Lebensfrage bleibt einmal der Grund- und Güterbesitz. Zn meinen früheren Briefen (vgl. v. Jahrg.) habe ich bereits festgestellt, daß diese Frage eigentlich mehr den Staat im Ganzen, als den Juden selbst betrifft. Cs handelt sich nicht um Sentimentalitäts- Politik, sondern der Staat unterbindet sich selbst durch diese Ausschließung eine Lebensader. Wie verschieden auch die Ansichten über Rationalöconomie sein mögen, der Satz bleibt unbestritten, daß eine Waare im Preise sinken muß, wenn die Käufer fehlen oder beschrankt werden. Je mehr Käufer, je mehr Nachfrage, desto höher steigt der Preis. Es machen sich auch bereits die Folgen geltend. Ich will von den Gütern fchweigen, die der Staat der Nationalbank für die Staatsschuld bezahlt hat, und da sie noch nicht an den Mann gebracht wurden, ein bedeutendes Sinken dieser Papiere zur Folge hatten, Es macht sich dies bereits auch in Privatkreisen geltend, und Güter und Grundstücke werden, wie die Journale berichten, weit unter der Hälfte des WertheS verkauft. Man darf unsere heutige Zeit nicht vergleichen mit der Periode vor dem Jahre 1848. Oesterreich ist seitdem wie überall auch in nationalöconomischer Beziehung ein ganz Anderes geworden. Seitdem die Hoch- und Cdelgebornen es nicht verschmähen, nach % und 1/8 Zu rechnen, haben sich unsere Verhältnisse bedeutend geändert. Will Oesterreich also sich nicht selbst die Kraft lähmen und brechen —*־ und die hohe Einsicht der Staatsmänner, insbesondere die Genialität des Finanzministers, in dessen Ressort dieser Gegenstand fällt, bürgt dafür, daß es dies nicht thun wird —, so muß der Besitz von Grund und Boden sreigegeben werden. Freilich werden wir Juden nach wie vor dies als Gnadengeschenk des Kaisers würdigen. Es ist dabei noch ein anderer Punkt zu berücksichtigen: die rationelle Bodencnltur ist bei uns noch sehr im Rückstände. Will man nach dieser Richtung hin wirken—und man will es in, der That—, so muß die Eoncurrettz frei gegeben werden. Ich komme nun zu einem zweiten Punkte, der nicht minder wichtig im Interesse des Staates ist; ich meine nämlich, inwiefern und ob Juden zu Aemtern zugelassen werden sollen. Ich stelle mich dabei ebenfalls nicht auf den Parteistandpunkt. Ich muß längst bekannte Dinge wiederholen; denn es gibt noch

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