Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 4 · p. Seite 137

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 4
Article
Briefe aus Süddeutschland
Date
1857-01-01
Page
Seite 137 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829206-2829211-2855018--03504-2855043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Briefe aus Süddeutschland. 137 Haupt zeichnen sich insbesondere die rheinhessischen Juden durch außerordentlichen Fleiß und Thätigkeit aus; Schade nur, daß hierdurch ein gewisser Grad materieller Anschauung sich bildet, die dem geistigen Interesse Abbruch thut; wir sagen ausdrücklich dem geistigen Interesse, denn dem religiösen und humanistischen wird gerade durch jene materielle Richtung Vorschub geleistet. Die wohlthätigen Vereine sind in jeder Gemeinde in Masse vorhanden, gut dotirt und mit Sorgfalt untcrhalten; es erscheint gewissermaßen als Bedürfniß in solchen Vereinen, Centralpunkte zu besitzen, in welche die individuellen Bestrebungen zujammenlaufen, und dies gibt öfter Veranlassung zu geselligen Mahlen, welche jene Vereine veranstalten. So geben meist alljährlich die'ernsten Gemilat-Chesadim-Vereine, nachdem sie das Jahr hindurch den Dienst bei den Kranken und den Tobten mit aller Hingebung verrichteten, gewöhnlich am Neumondstage des Adar ein. festliches Mahl; die Ver- Mahlung eines vom Aussteuervereine ausgeftatteten armen Mädchens ist ein Fest der Vereinsmitgliedcr; auch wird die Almosenspendung des טעשר bei Verhcirathungcn noch allgemein streng befolgt; interessant sind auch die sogenannten Etrogim - Vereine, so daß fast jede Familie am Hüttensesic einen Ctrog besitzt; und so sucht das religiöse Bewußtsein aus alle mögliche Weise sich zu äußern. Von großartigen Stiftungen, wie wir sie in Baden gesehen, sind mir in Hessen keine bekannt, ausgenommen etwa die milde Stiftung des verstorbenen Isaak Michel Speyer (äus Franks, a. M.) in Offcnbach, mit einem Fond von 16,256 Fl., dessen Zinsen im Betrage von 650 Fl. auf den an arme Kinder ertheiltcn Unterricht und auf Verabreichung von Mazzoth an arme Gemeindemitglieder zu Offenbach und Bürgel verwendet werden. Erwähnenswertst ist auch der Untcrstütznngsverein für fremde, durchreisende Arme in Mainz, wodurch dem Bettel nachdrücklich gesteuert wird. So scheiden wir vonHeffen-Darmstadt, wenn auch nur halb befriedigt, so doch mit der vollen Hoffnung, daß endlich die Kenntniß der Mängel zur Erkenntniß der Bedürfnisse führen, und daß die Bevölkerung unserer Glaubensbrüder in jenem Lande, die so viele herrliche Keime in. sich birgt, endlich Büttel und Wege sinken wird, die Auswüchse zu beseitigen und die gemeinsame Veredelung des Ganzen anzustreben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.