Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Briefe aus Süddeutschland
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefe aus Süddeuischland 135 dem Stadtrathe in sehr vielen Orten, in Mainz drei, in Worms zwei; in Gießen ist der Hofgerichts-Advocat Rosenberg seit langen Jahren Gemeindcrathsmitglied. Ueberhaupt gibt es in Hessen jüdische Advocaten in großer Anzahl, und erwähnen wir aus dem niedrigen Beamtenkreise noch eines jüdischen Hnissiers in Mainz und eines Leihamtstaxators in Worms. Die Nabbincn werden von dem Großherzoge ernannt und definitiv bestätigt. — Das jüdische Gemeindewesen ist genau geregelt und von den Kreisräthen beaufsichtigt. — An einigen Gymnasien, z. B. in Mainz, wohnt der betreffende jüd. Religionslehrer den Consereuzen der Lehrer bei. Uebcrall ertheilen die jüdischen Religionslehrer die Straf- Noten in den wöchentlichen Zeugnissen der Schüler und die Noten in den halbjährigen Ceusuren.— Die Gymnasialprogramme bringen jährlich die Notizen über den jüd. Religionsunterricht. ■— Die jüdischen Gesangenen in den Staatsgefängnissen brauchen am Sabbat nicht zu arbeiten, und erhielt Di״. Levi in Gießen den Auftrag, alle Vierteljahre einen Gottesdienst in der Strafanstalt Marienschloß für die jüdischen Sträflinge abzuhalten 2). — Wohl gibt cs noch einige Orte, mitunter manch namhaftes Städtchen, in welchen der Aufnahme der Juden in den Bürgerverband alle möglichen Schwierigkeiten von Seiten der Bürgerschaft und der Gemeinderäthe gemacht werden, doch ist es nnbcstreitbar, daß diese Orte weder durch Wohlhabenheit, noch durch Gewerbsthätigkcit rühmlich sich auszeichnen, während es anerkanntermaßen fest steht, daß der Zuzug, der Juden mancher Stadt bedeutenden Verkehr gebracht hat. Diese selbst sind fast durchgängig wohlhabend,, und hat sich Beispiels halber seit 10 Jahren ihr Steuercapital über 25 °/0 vermehrt. Aus dem Lande gibt cs nur wenig Juden, welche nicht neben ihren sonstigen Gewerben auch Acker- und Gartenbau treiben. Auch an solchen, die blos Oeconomie treiben, d. h. an eigentlichen Bauernwirthschaften fehlt es nicht. Es besteht auch im Großherzogthum Hessen seit 1833 ein Verein zur Verbesserung des Zustandes der Israeliten, als dessen vorzüglichste Mittel zu Erreichung des Zweckes betrachtet werden: 1) unbemittelte jüdische Jünglinge, welche sich dem Schulsache widmen, zu unterstützen; L) unbemittelten Gemeinden zur anständigen Festes dispensirt werden mußten, und von welchen der Eine in seiner Gemeinde nbsn bp2, der Andere ppin war. Beide hatten also ihren eigenen pin so zu bestehen. 2) Die Anzahl der jüdischen Sträflinge ist nicht halb so groß, als sie im Berhältniß der Population sein müßte; während in der Irrenanstalt Hofheim die Anzahl der jüd. Irren jenes Verhältnis; doppelt übersteigt.