Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1857-01-01 · Heft 3 · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1857-01-01
Page
Seite 115 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829206-2829210-2854951--03470-2855000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Necenfionen und Anzeigen. 115 Gegenstände, womit man diese im gewöhnlichen Leben nicht eigentlich zu bezeichnen pflegte, eine abstractc philosophische Terminologie einzufuhren und dadurch eine besondere Philosophenschulc zu gründen, die erst in den Sinn und die Bedeutung jener Kunstausdrücke sich einzuweihen hätte, ehe sie zum richtigen Verständniß seiner Lehrsätze gelangen könnte. Sein Streben ging vielmehr dahin, diejenigen, welche Beruf und Neigung fühlten über die höheren Wahrheiten der Religion belehrt zu werden, selbst erst in die Propyläen dieses heiligen Tempels einzuführen, d. h. ihnen die vornehmlichsten Ausdrücke uud Schlagworte vor Augen zu stellen, Lurch deren mißverständliche Anwendung so mancher Jrrthum in die Religionslehre sich eingeschlichen und weiter verbreitet hatte. Hiermit verband er zugleich eine faßliche Anleitung, in welchem Sinne vielmehr jene Worte und Sätze zu nehmen seien, wenn sie einen höheren trauscendenten Gegenstand bezeichnen. Vor Allem sollten hierdurch die Begriffe geläutert und manche dunkle Vorstellungen in Bezug auf schwierige Stellen der h. Schrift beseitigt werden. Dem wörtlichen Sinne wird keine allegorische Auffassung substituirt, wie dies in einer früheren Phase der Fall gewesen war, sondern nur gezeigt, daß neben der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes noch eine andere analoge, aber doch nicht identische ursprünglich damit verbunden sei, die, wenn auch häufig übersehen, doch dem Forscher bei einigem Nachdenken von selbst sich ergebe. Ist die Menge nach dieser Anleitung zu richtigem Verständniß gelangt, so werde eine reinere Auffassung von Gottes Wesen und der damit zusammenhängenden Religionswahrheiten von selbst die Folge sein. Die Hülle sinkt und das göttliche Kunstwerk — die mofalsche Offenbarung — wird in seiner Glorie sichtbar! Nach diesem Jdeengange des großen Maimonides bildet daher der erste Theil seines ״Führer der Verirrten", welcher größtcntheils mit Erläuterung der in der heil. Schrift vorkommendcn Worte, die eine mehrfache Bedeutung involvircn (Homonymen), sich befaßt, die eigentliche Grundlage sowie den Schlüssel des ganzen Werkes. Man ersieht hieraus, welches Gewicht auf die richtige Auffassung jeder einzelnen Worterklärung zu legen ist und wie Mißverständnisse oder irrthümliche Auslegungen der vom Autor zuweilen nur aphoristisch angedeuteten Ansichten weitere Jrrthümer zur Folge haben, die dem Verständniß des Ganzen Eintrag thun. Ließ nun hierin die zeither fast ausschließlich benutzte Tibbon'schc Uebcrsetzung bei vielen Vorzügen doch manche Lücken und Mängel gewahren, welche durch corrumpirte Editionen noch vermehrt wurden und zu deren Beseitigung der Scharfsinn mancher Commentatoren vergeblich sich abmühte, so ist die gediegene Arbeit des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.