Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus Süddeutschland
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefe aus Süddeutschland. 91 dienst ist, gewiß, da eine Geschichte von mehr als 17 Jahrhunderten nicht ohne Nutzen gewesen sein kann. Aber schwerlich dürfte irgend ein Zeitalter sittliche Größen aufzuweisen haben, denen R. Jose nicht ebenbürtig sein sollte. (Schluß folgt.) Briefe aus Süddeutschland, in. Wir folgen nun dem Wellenlause, jenes Stromes, der bei all seinem schäumenden Brausen es geduldig ertragen mußte, daß die deutsche bedächtige Gemüthlichkeit fast bis zur Schwärmerei sich vergaß und allen Ernstes einen Preis für die beste Melodie jenes trotzigen Liedes ״Sie sollen ihn nicht haben!" aussetzte, während das gute Deutschland wirklich vergaß, daß auch die Deutschen ihn nicht haben; denn in Nassau gab man bekanntlich dem Vater Rhein gar mächtige Steine zu verschlucken, auf daß deutsch« Schiffe nicht etwa, mir nichts, dir nichts, durchpassiren könnten, und weiter unten, in Preußen, mußte der wasserlockige Neptun eine andere Barriere-Bandage.sich gefallen lassen, und wie man sagt, fühle sich Vater Rhein erst ganz unten, in Holland, vollkommen wohl und lächle über Deutschlands großartige Politik. Dieser Strom mm, der über jene Kleinlichkeiten großmüthig hinwegeilt, er führe uns nach einem andern Theile Deutschlands, in welchem wir manchem Ortsnamen begegnen, an welchen sich die bedeutsamsteu Erinnerungen aus der Cultur- und Religionsgeschichte Israels knüpfen, nach Hessen-Darmstadt.— Sollte der geehrte Leser glauden, daß, um von Baden nach dem benachbarten Hessen zu kommen, es keiner solchen weitläufigen Einleitung bedurfte, so befindet er sich im Jrrthnnl; denn allerdings ist jener Strom das Prototyp für gewisse Verhältnisse unserer Glaubensbrüder. Wie jeder Staat und jedes Staatlein ein besonderes Stück Rhein für sich haben will, so hat auch ein jeder deutsche Staat eine Particulargesetzgebung für die Juden. Was wir in Baden gesehen: Kirchlicher Oberrath, Synagogenrath, Hauptlehrer re.» das finden wir nicht mehr in dem angrenzenden Hessen, und was wir hier erblicken, das werden wir vergebens dort suchen. Doch kommen wir zur Sache. Das Großherzogthum Hessen zählt bei einer Gesammtbevölkerung von etwa 845,000 Seelen 28 bis 29,000 israelitische Einwohner,