Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die hervorragendsten Vertreter der Akiba'schen Schule
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829206-2829210-2854948--03440-2854975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
90 Die hervorragendste« Vertreter 5c. in das Lehrhaus zu bringen!" (Schabbat 118b) u. ä. A. In der Thai starb er den Tod des Gerechten; denn seine Vaterstadt wurde durch denselben in tiefe Trauer versenkt. ״Beim Tode R. Jose's, sagt eine sinnige Hyperbel, troffen die Rinnen von Sepphoris Blut" (Moed Katon 25). Seine Sohne waren so sehr Erben seines Wissens, daß er lange Zeit kaum gestorben zu sein schien, da namentlich der eine derselben, R. Jsmael, in zweifelhaften Fällen häufig mit Mittheilungen im Namen seines Vaters aushalf (Nidda 25, Berachot27, Taanit 67, Jebamot 105 und a. z. a. St.). Die Art, wie diese Mittheilnngen von den Autoritäten des nächsten Zeitalters, deren Haupt der Mischnaredacteur R. Jehuda war, ausgenommen wurde, beweist am besten, wie hoch ihnen R. Jose stand. So erklärt R. Jehuda Hanasi einmal am Sabbat etwas für erlaubt, was er früherhin als unstatthaft gelehrt hatte, und dieser Widerspruch wird im Talmud folgenderweise gelöst. R. Jehuda trug einst seine Meinung in Gegenwart des R. Jsmael ben Jose vor, worauf dieser bemerkte, daß sein Vater anderer Meinung gewesen sei. ״So ist die Sache also durch einen Welfern bereits entschieden", antwortet R. Jehuda (Schabbat 51 a). Der Talmud selbst macht an Ort und Stelle die Bemerkung, daß man daraus sehen könne, wie weit die Achtung der Gesetzeslehrer vor einander ging, da selbst der Nasi ohne Rücksicht aus seine Würde bereitwillig seine Meinung zurücknahm. Ein anderes Mal ist derselbe N. Jehuda leidend und es wird ihm Aepfelwein (eine also schon damals gebräuchliche Kur) verordnet, den er aber nur von Heiden beziehen kann. Da er nun zweifelhaft ist, ob das Verbot, das wegen der üblichen Libation über den Wein der Heiden ausgesprochen worden war, auch auf Aepfelwein sich ausdehne, so unterläßt er es. Nicht lauge daraus thcilt ihm R. Jsmael mit, daß sein Vater in einem ganz gleichen Falle sich unbedenklich kurirt habe. ״Eine so schöne Sache wußtest du, meinte R- Jehuda hierauf; und hast sie mir noch nicht mitgetheilt" (Aboha sara 40b). Am bezeichnendsten aber ist, daß eben dieser R. Jehuda, der wegen der Reinheit seines Wandels' den Namen des Heiligen erhielt, voll Bewunderung über die Größe N. Jose's und seiner College», sich äußert: ״Zwischen unser!» Zeitalter und dem des R. Jose ist ein Unterschied, wie zwischen dem Profansten und Allerheiligsten" (jer. Gittin 48»). Ob wir wohl gewinnen, wenn wir unsere fortgeschrittene Zeit mit der des R. Jose vergleichen? So weit es nicht unser Ver-