Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe aus Süddeutschland
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 4)
- Language
- German
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Briefe aus Süddeutschland 59 Sabbat selbst׳.von einem Israeliten gespielt werden dürfe, wobei nur (eine reservatio mentalis war immer ein beliebtes Hinterpförtchen) das Verlangen der Gemeinde das Hauptagens bildet; Schott verneinte die Erlaubniß zur Betheiligung eines Israeliten beim Spiel der Orgel, gestattete aber deren . Einführung, wenn ein Nichtjude dieselbe spiele, und. Geismar endlich verbot^ die Einführung selbst. Der Oberrath genehmigte die mittlere Ansicht, nachdem noch, zuvor 300 Mitglieder der Mannheimer. Gemeinde-in einer Gegenerklärung für die Orgel sich ausgesprochen.. Betreffs der Liturgie entschied jedoch .der Oberrath in mehr conservativem Sinne; er restitnirte viele Gebetstücke, welche Präger in seinem, für die Mannheimer Synagoge angelegten, Gebetbuche ausgelassen hatte, obschon dieses Gebetbuch unter allen in den letzten Jahren in so horrender Ueberfluthung erschienenen Gebetbüchern gerade durch seinen Conservatismus sich auszeichnet. Die חובה sind durchgängigbeibehalten, sämmtliche Stellen messianischen Inhalts und den Opsercultus betreffend sind geblieben, ja sogar die rituellen Vorschriften des Schulchan Aruch sind wie in den frühern Tephilot an gehöriger Stelle eingeschaltet worden; nur die deutsche Uebcrtragung der Gebete ist eine freie, und insbesondere das deutsche Element während des Gebetcs stark angcwendet. Die hebr. Gebete werden responsorienwcise vorgetragen. Nachdem nun das nunmehr completirte Gebetbuch vom Oberrathe.genehmigt wurde, trat die Mannheimer Liturgie in's Leben, und ich. halte es für meine Pflicht, über, den Erfolg derselben getreulich zu berichten. . Sie werden wohl in den Zeitungen gelesen haben, daß der Großherzog von. Sachsen-Weimar nebst Gefolge,, sowie.der weimarische Erbprinz nebst Gefolge, während des. ganzen Gottesdienstes am Freitag Abend in der Mannheimer-Synagoge jüngst verweilten; auch ist der Besuch von Nichtisraeliten und ihre thatsächliche Theilnahme am dbrtigen Gottesdienste fast zur stehenden Erscheinung geworden, denn die ans mehr als hundert Gasflammen bestehende Beleuchtung des prachtvollen Tempels, , die imposanten Töne der-vollen Orgel, die Mitwirkung eines 90 stimmigen Chors -und die pünktlichste Ordnung des Aufstehens und Sitzens bilden in der That ein Ensemble aller zur Andacht erforderlichen Moment«, wie es wohl nicht bald in einer andern Synagoge anzutreffen sein möchte. Mehr aber als jene Erscheinung muss eine andere erfreulich und tröstend anerkannt werden: das allmäligeSchwurden des Jndifferentismus! Es sind gegenwärtig in jener Gemeinde nicht blos alle Parteien friedlich und einig in eine einzige verschmolzen .wahrlich י keine. häufig«. :Erscheinung-m der sonst so zerklüfteten Gegenwart —, sondern auch manches dem Jndenthum fremdgewordenes