Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Simon der Gerechte und seine Zeit
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 12)
- Language
- German
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56 Briefe aus Süddeutschland. bekenntmß für sich, sein Haus und die Nation aussprach, bedienten sich des heiligen vierbuchstabigen Namens in gesammelter, andachtsvoller Stimmung °). Grätz. Briefe aus Süddeutschland. 11. Wir bezeichneten das Gesetz vom Jahre 1809 als einen Fortschritt in der Emancipationsfrage für unsere Glaubensgenossen in Baden, und wohl, mit!Recht. ׳!Das Gesetz ertheilte den Juden ferner die Besugniß Friedhöfe anzulegen, und gibt hierzu die geeigneten Vorschriften; es ordnete, oder vielmehr (da das Gesetz noch in Kraft besteht) ordnet die financiellen Verhältnisse der Gemeinden, räumt ihnen das Recht ein, die aus Staatsmitteln unterhaltenen Anstalten, insbesondere die Schulen, zu benutzen, und stellt den Eltern, anheim, zwischen verschiedenen christlichen Schulen selbst zu wählen. Vom christl. Religionsunterricht sind die jüd. Kinder befreit, deren Eltern hingegen verpflichtet, für Ertheilung des jüd. Religionsunterrichtes zu sorgen. — Nach diesem Gesetze ist ferner, um Gemeinde- oder Bürgerrechte zu erlangen, ein bürgerlichcr Nahrungszweig erforderlich; der Nothhandel berechtigt nicht dazu. Mit Schonung und Billigkeit wird jedoch auch hiervon gesprachen; das erwähnte Gesetz sagt hierüber wörtlich: ״Zu dem rechtlichen, Handel wird derjenige Nothhandel nicht gerechnet, womit sich seither vorzüglich die jüd. Nation aus Mangel der Gelegenheit zu einem freien GewerkSfleiße häufig abgegeben hat, und womit fie nur ein unhinlängliches Auskommen gewöhnlich fich erwerben konnte, das nachmals 6) Dieser Punkt bedarf noch der Untersuchung. Im Talmud (Joma 39b) heißt es, nach Simon's Tode habe man aufgehört, das Tetragrammaton beim Priestcrsegen zu gebrauchen: ונמנעו אהיו הכהנים מלברך בשם. Allein diese Leseart kann nicht, richtig sein, denn wir wissen aus der Mischna (Sota 38a), daß während der ganzen Zeit des zweiten Tempels das Tetragrammaton beim Cultus in Gebrauch war (vgl.׳ Kidduschin 71a). Besser scheint mir daher die Leseart der Tosista (Sotatc. 13) sich zu empfehlen: משמת שמעון הצדיק פסקו מלברך בשם, d. h. nur außerhalb des Tempels (מילין») hörte man auf, sich des Gottesnamens zu bedienen. Die Substituirung des Namens Adonai für das Tetragrammaton beim Lesen der heiligen Schrift würde sich ,demnach aus der Zeit nach Simon dem Gerechten datiren, ein sehr wichtiges bisher übersehenes Moment. Ich bitte die Fachmänner, diesem Punkte ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, da ich mir nicht traue, die Schwierigkeit gelöst zu haben.