Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Simon der Gerechte und seine Zeit
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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und seine Zeit. 47 Geschichtsquellen auch weiter nichts von ihm überliefert hätten. In dieser einfachen Zeit war man mit Ehrennamen nicht so verschwenderisch, um sie unverdient beizulegen, und Simon, wenn auch als Hoherpriester zugleich Regent des jüdischen Gemeinwesens, war nicht mächtig genug, um Schmeichler gehabt zu haben, welche dieses epithetop ornans erfunden hätten. ״Er wird der Gerechte genannt", sagt Josephus, ״wegen seines frommen Wandels gegen Gott und seiner wohlwollenden Gesinnung gegen seine Stammesgenossen"*). Die talmudischen Quellen können seine tiefe Frömmigkeit nicht genug rühmen, und ein von ihm erhaltener Zug belehrt uns, daß er von wahrer Frömmigkeit beseelt war und von der trüben, lebenssein blichen, asketischen Religiosität wenig hielt. Der Spruchdichter Sirach, der auf die biblischen Helden ein Lobgedicht schrieb und es bis aus seinen Zeitgenossen Simon herabführte, nennt ihn ״das Haupt seiner Brüder und die Krone seines Volkes"^. Auch seine äußere Erscheinung muß imposant gewesen 1) Josephus Merthümer XII, 2, 5. 2) Es kann kein Zweifel darüber obwalten, daß Sirach in seiner Schilderung des Hohenpriesters Simon, Onias' Sohn (50, 1—17), von Simon dem Gerechten spricht. Denn Sirach zum Zeitgenossen Simons II. zu machen, verbietet die kritische Geschichtsbetrachtung. In Simon II. Zeit hatte der judenthumfeindliche Hellenismus, repräsentirt von den Tobiassöhnen, bereits Fortschritte gemacht, und man wäre berechtigt, von diesem frommen Dichter eine tadelnde Aeußerung gegen diese Leichtsinnigen und Gottesvergessenen zu erwarten. Aber man findet in dessen zahlreichen Gnomen auch nicht die Spur einer Anspielung auf die Hellenisten. Noch mehr. Simon II. war selbst dem Hellenismus nicht abgeneigt; er hielt es mit den perfiden Tobiassöhnen, den Trägern desselben, wie Josephus deutlich genug ihn schildert (Merthümer XII, 4, t1׳). Es verräth Mangel an Einsicht in geschichtliche Verhältnisse, wenn Einige diesen Simon II. gar zum Träger der שיירי אנשי כגסת הגדולה machen und ihm den religiösen Spruch in Abot zuschreiben! Wäre endlich Simon II. so ausgezeichnet, wie wir ihn nach Sirach's Schilderung uns zu denken haben, so begreift man nicht, warum Josephus keinen guten Zug von ihm zu erzählen weiß. Und wie paßt auf Simon II. die Schilderung Sirach's, ״er hat sein Volk vom Untergang befreit"? Welche Veranlassung war in dessen Zeit für Befestigung Jerusalems und des Tempels? Wohl aber war diese Gelegenheit zur Zeit Simon's des Gerechten, während der Bewegungen Alexander's und seiner Feldherren in Judäa (wovon weiter). Auch Ewald ist zuerst geneigt, Sirach's Schilderung auf Simon I. zu beziehen, kommt aber aus ganz unhaltbaren Gründen, davon zurück (Geschichte des Volkes Israel III zweite Hälfte 310 Anmerk.). Der Ausdruck ■towctcos, welchen der griechische Ueberscher des Sirachbuches von dem Verfasser gebraucht (im Prolog: 6 tcoctctco? {jlo-u 1 2 * * 51ט0^חו?) ■fatm eben so wohl ״Vorfahr" wie ״Großvater" bedeuten. 4*