Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Briefe aus Wien
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 464 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829192-2829205-2854837--03273-2854867- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
464 Briefe ans Wien. im Zabre! und doch trifft unser neues Zabr so genau mit dem Jabreswecbse! ein, wo wirklich ein neues Zabr beginnt. Es bleibt immer nur die Frage, wie man die Eindrücke, die das jüdische Publicum wabrend der festlichen Zeit empfängt, seftbauueu könnte; denn es ist nicht zu läuguen, es taueben in dieser Zeit überall Erinnerungen aus. Aber nickt blos diese!׳eilige Zeit ist fest in den (^emütbern ei!!- geprägt; and! Sueeoth ist noch nicht verschwunden. Man findet in'sbesondere in der ^eepoldstabt noch viele Hütten, die zu Gbren des Festes ernebtet werden. Als mich jüngst!nein Weg durch eines der ersten Gastbäuser der Residenz führte!.das weise Rost), fand ich eine Succa. Zn wünschen wäre, dast bei den! neu zu erbauenden (Lottes- Hause in den Nebengebäuden auch für eine Sucka ein Plätzchen aufgespart würde. Zeh kann allerdings nicht vcrbeblen, dast, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, wie ich sie in der Zugend verlebt habe, und die jetzige Zeü betracl-te, mied ein eigentbümlicbes Gefühl überkommt. Zeh spreche luer nicht voll denen, die bereits die Zugend hinter sich haben und im Mannesalter sieben; ich spreche von der Zugend. Diese kennt und füblt nidt die Schauer und Grauen der ״Zamim noraim", wie nur sie gefüblt haben; sie kennt aber auch die Freuden nicht, die wir am Sueeofeste und beim Gingange desselben batten, geschweige denn, dast sie nichts von Srmchatb tbora weist. Doch ich will nicbt in den Predigerton verfallen. Auch die Propbeten entwerfen uns in den Gaptteln, die als Haftoras wabrend der Festzeit gelesen werden, rucht ein glänzendes Bild von den Zuständen ihrer Zeit. Wir sind beute nicht ärger bestellt. Unsere Weisen sagen: הכיל בעי שידם חוץ מיראת שטים (Alles kommt von oben, mit Ausnähme der Gottesfurcht); wir wollen die Hoffnung festhalten, daß der Glaube der Pater nicht verloren geben werde. Zcb will nun zu einer andern Frage übergeben, die jetzt, wo bei uns das Schuljahr beginnt, an der Tagesordnung ist. Gütern fragen nämlich besorgt: ״Was mit den Söbnen ansangen?" Man könnte beute den Satz von Ben Sira umdreben und sagen בן צרה ילאביו (der So! n ist seinem Pater zum Schmerz). Gun Mädchen macht jetzt den Gütern in Betreff der Bildung und Grziehung weit weniger Sorge als ein Sohn. Ein Unabe bat vier Jahre in der Volksschule zuzubringen, dann sechs Jahre in der Realschule, oder acht Zabre im Gymnasium. Hat dann ein Jüngling zehn oder respective zwölf Jahre in der Schule verbracht, so steht er erst am Scheidewege. Der Realschüler hat noch fünf Jahre Technik vor sich, und der Schüler, der das Gymnasium