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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1856-01-01 · Heft 9 · p. Seite 331

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 9
Article
Briefe aus Jerusalem
Date
1856-01-01
Page
Seite 331 (sequence 2)
Language
German
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Briefe aus Jerusalem. 331 lung des hohen Nabbiner-Eoltegiums und je zweier Vorsteher jeder Gemeinde einzubernfen, um den Zweck seines Kommens wie seiner beabsichtigten Gründung bestimmter und klarer vorznlegcn, als dies in einem nur kurz gefaßten und von mancher Seite irrig aufgesaßten Programme geschehen ist. Am folgenden Tage begrüßte die Gemeinde ״Ehassidim" Herrn Dr. L. A, Frankl i» einem Schreiben und durch feierliche Deputation, sowie der Ehacham-Pasebi Herr Abulafia, umgeben von seine» Ehachamim, ihm den Besuch crwiedcrte. Nicbt so freundlich sollte der Abend desselben Tages für ibn sein. Als der Dichter der hebräischen Elegieen ״nach der Zerstörung" an die Westmaucr des Tcmvels ging, um, wie dies am Freitag üblich ist. daselbst das Minchagebet z» verrichten, und er von wehmnthigen Grinnerungeu und heilig-historische» Schauern erfüllt sein mochte, gesellte sich ein selbst hier wegen ereessiven Fanatismus berüchtigtes Individuum zu ihm mit den Worten: ״Wir wollen keine Schule, liier ist heiliger Boden, hier muß Alles beim Alten bleiben bis der Messias kommt, nur er kann Helsen. Hier, wo Zerstörung ist, darf nichts gcbauet werden." Neugierige hatten sich ihm angeschlossen und begleiteten, ohne ihn jedoch zu beleidigen, unsere» verehrten Gast, der ein eisernes Schweigen entgegensegte, bis zu seiner Wohnung. Während er am folgenden Tage in der historischen Großsnnagoge des R. Jochanan ben Sakkai mit allen synagogalcn Ghren willkommen geheißen wurde, ließen einige Fanatiker in der Synagoge Aschkenasim ״Peruschim" die Thora nicht vorlcsen und machten die Gemeinde aus das ״Unheil" aufmerksam, das ibr durch die zu errichtende Anstalt drohe. Einige Personen begaben sich hierauf zum Kbacham-Pascht; ihr Sprecher, ein durch Frechheit bekanntes Subject, insultirte den 89jährigen ehrwürdige» Greis mit Worten derart, daß das ״BeSdin" einhellig beschloß, den Ban» über ihn auszusprcchen. ES wird von Männern, welche die Localzustände zu kennen bcrufen sind, die vielleicht nicht ganz unbegründete Meinung ausgesprochen, daß hinter den Fanatikern die Misstonsgesellschaft, vielleicht nur ein oder ein anderes vergreifendes Individuum derselben stehe, indem jedefür die Jude» hier von Juden gestiftete Institut ihre Zwecke, wenn nicht völlig störe, doch erschwere. Am 8. Juni fand aus Einladung des Ehacham-Paschi in seinem Amtslocale die von vr. L. A. Frankl erbetene Sitzung statt. Ich erlaube mir, Ihnen das ordnungsmäßig zu Protokoll ge-

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